Von Gott und der Welt

Schuldenschnitt

Verschuldung kann in die Knechtschaft und ins Elend führen. Unbarmherziges Eintreiben von Schulden kann Existenzen gefährden. Das sind fundamentale Menschheitserfahrungen. Deshalb kennt die Bibel das Instrument des Erlassens von Schulden und das Neue Testament die Bitte: "Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

11.07.2015
Ein Haus aus Geldscheinen gebaut

Das Alte Testament sieht alle sieben Jahre einen Schuldenerlass vor. Er war nicht bloß eine moralische Anweisung. Er wurde praktiziert. Schuldenerlass war Teil der Sozialgesetzgebung und dient dazu, einen neuen Anfang zu setzen. Schuldenerlass war Armutsbekämpfung, Rettung aus der sozialen Katastrophe. Im 5. Buch Mose steht: "Der Zweck des Schuldenerlasses ist es, dass es nur ja keine Armen unter euch gebe."

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte einmal:

Das Alte wie das Neue Testament ist voll von fundamentalen Menschheitserfahrungen. Sie können sie als Finanzminister jeden Tag brauchen.

Doch der Gebrauch dieser Erfahrungen kann auch unangenehm sein, wenn er den eigenen Interessen, den Interessen der Banken und Gläubiger widerspricht. Der Erlass von Schulden ist biblisch geboten, wenn die Schulden Existenzen zerstören, Menschen in die Knechtschaft und ins Elend führen. Da ist die Bibel klar. Wenn morgen die Entscheidung über einen Schuldenschnitt für Griechenland fällt, sollte sich Wolfgang Schäuble an seinen Konfirmandenunterricht erinnern.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.