Von Gott und der Welt

Rugby spirit

„Es ist ein spirituelles Team“, so fasst der Trainer des Rugby Teams der Fidji Inseln, Ben Ryan, die Stärke seiner Mannschaft zusammen.

13.08.2016
Ein Rugby-Ball, der in einer grünen Wiese liegt (Foto: Pixabay)

„Sie singen am Morgen. Sie singen am Abend. Sie beten.“ Sie singen ihre Choräle mehrstimmig, können damit jedem Kirchenchor Konkurrenz machen. Und ein ganzes Land singt mit und ist ergriffen, wenn sie das tun.

Wer auf der Ersatzbank saß, als die Fidjis um die erste olympische Goldmedaille kämpften, der war tief im Gebet versunken. Kaum war der Schlusspfiff erklungen, haben sie den Gospel „We have overcome“ angestimmt. Rugby ist wie eine zweite Religion für das tiefreligiöse Land, meint Ryan. „Am Sonntag gehen alle in die Kirche und der Sport hat frei, an allen anderen Tagen der Woche aber wird Rugby gespielt.“

Die Südssee Inseln der Fidjis sind eine bitterarme Nation, in diesem Jahr schwer gezeichnet vom Zyklon Winston, der 40 Bewohnern das Leben kostete und Tausende obdachlos machte.

Die Sieger des olympischen Rugbyturniers geben ihrer Nation neues Selbstvertrauen, und sie zeigen in Zeiten, in denen Religion immer wieder missbraucht wird, um Menschen zu spalten und zu fanatisieren, dass der Glaube auch die Kraft haben kann, Menschen zu vereinen. Eine der schönsten spirituellen Gesten des Rugbyteams der Fidjis ist, dass sie ihre Gegner nach dem Spiel einladen, mit ihnen niederzuknien und ein gemeinsames Dankgebet zu sprechen. Egal wie das Spiel ausgegangen ist. Spätestens da hört Gott zu.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone“.