Von Gott und der Welt

Rückenschmerz

Der Rücken schmerzt. Das ist die Krankheit der Zeit. Rund 2,3 Millionen Österreicher leiden an Beschwerden der Wirbelsäule. Die Erklärungen scheinen banal, doch schwer zu beheben. Zu wenig Bewegung, einseitige Belastung, Übergewicht. Wären wir alle schlank und praktizierten täglich Gymnastik, die Ärzte und Physiotherapeuten hätten weniger zu tun.

12.03.2016
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)

Doch dass der Rücken sticht und brennt, ist keine Erfindung der Moderne. Schon der Erzvater Jakob im Buch Genesis litt unter Schmerzen in der Hüfte. Doch die Erklärung seiner Beeinträchtigung war nicht banal. Jakob hatte eine ganze Nacht lang am Fluss Jabbok mit einer Gestalt gerungen. Er konnte sie nicht überwinden. Sie schlug ihn auf die Hüfte. Er ließ sie trotzdem nicht los, bis sie ihn segnete.

Jakob deutete diese Nacht als Gottesbegegnung. Der Schmerz, der ihn hinfort begleitete, war eine Erinnerung an einen Wendepunkt. Das Leben geht an niemand spurlos vorbei. In den Psalmen heißt es:

Die Pflüger haben auf meinem Rücken geackert und ihre Furchen lang gezogen.

Nun wird nicht jeder Rückenschmerz auf eine Gottesbegegnung zurückzuführen, und nicht jeder Bandscheibenvorfall mit poetischen Bildern zu beschreiben sein. Doch wir können daraus lernen unseren Körper, auch wenn er schmerzt, mit mehr Würde zu sehen. Er ist nicht nur ein simples Trainingsgerät, sondern in ihn sind die wertvollen Erfahrungen des Lebens eingeschrieben, die glückseligen, aber auch die schmerzhaften.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.