Von Gott und der Welt

Reue hinter Gittern

Mir herrscht zu viel Genugtuung über die 3,5 Jahre Gefängnis, die Uli Hoeneß für Steuerhinterziehung und Ernst Strasser für Korruption ausgefasst haben. Wenn Menschen so lange hinter Gittern verschwinden sollen, müssen die Gründe schwerwiegend sein.

15.03.2014
Zaun und Stacheldraht als Symbol für Gefängnismauern
Ein Besuch eines Gefangenen ist in der Bibel ein Werk der Barmherzigkeit (Foto: Fotolia/Barbara Gromadzki)

Im 19. Jh.  gab es erste Gefängnisreformen, die Gesellschaft begann sich vom Gedanken der Vergeltung und Rache zu verabschieden. Häftlinge sollten zur Reue bewegt werden: Gefängnisse mit Einzelzellen wurden gebaut und Häftlinge durften einzig die Bibel lesen, um so Einsicht in die Verwerflichkeit ihrer Taten zu erlangen. Die Erkenntnis, dass die Einzelzelle ein Ort der Folter und nicht der Reue ist, kam spät. Doch im vorigen Jahrhundert setze sich der Gedanke der Resozialisierung durch. Häftlinge sollten im Gefängnis zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft werden. Heute wissen wir, dass auch dieses Ziel oft verfehlt wird.

In den Fällen Hoeneß und Strasser stehen alle drei Gründe für einen Gefängnissaufenthalt auf tönernen Füßen. Rache dafür, dass viele in ihnen Ungustln sehen, verbietet sich. Zur Reue hätten sie schon im Verfahren Gelegenheit gehabt, da scheinen sie resistent. Und ob sie gerade hinter Gittern zu besseren Mitgliedern der Gesellschaft werden, bleibt ungewiss. Bleibt einzig der Gedanke der Abschreckung.
In der Bibel zählt der Besuch der Gefangenen zu den Werken der Barmherzigkeit. Ob die vielen Freunde von früher unter den Besuchern zu finden sein werden?

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.