Von Gott und der Welt

Respekt

Das Leben ist ungerecht. Der eine wird auf der Butterseite des Lebens geboren, der andere kriegt nur die Brösel ab. Eine kann ihr Leben in vollen Zügen genießen, die andere verzweifelt am Leben. Die einen leben in Wohlstand, die anderen in Armut und ständiger Angst um ihr Leben. Soweit der nüchterne Befund.

14.07.2018
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)

Nun könnten, die, die es besser getroffen haben, sich ja freuen und dem Herrgott am Tag dreimal danken für das Glück, das sie erfahren. Manche tun das auch, aber andere ziehen über die her, die vom Schicksal geschlagen sind.

Da wird von Armen als Sozialschmarotzern gesprochen, von Durchschummlern und von Menschen, die es sich in der Hängematte der Mindestsicherung bequem gemacht hätten, obwohl das Leben dort eher einem Nagelbrett gleiche, wie es Judith Pühringer von der Armutskonferenz ausgedrückt hat.

Warum können Menschen, denen es gut geht, nicht einfach zufrieden und dankbar sein? Warum müssen sie auf andere herabschauen und sie auch noch verspotten?

Es geht wohl darum, nicht Schuld zu sein oder sich nicht schuldig zu fühlen am Elend des anderen. Wenn ich sage, der ist selber schuld an seinem Elend, dann muss ich mich nicht schuldig fühlen.

Was aber wenn es gar nicht um Schuld geht, sondern einfach nur um Respekt.

So manches Mal wäre Schweigen schon der Anfang der Hoffnung, wie es im biblischen Buch Hiob heißt: „Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muss ihren Mund zuhalten.“

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".