Von Gott und der Welt

Religionsfreiheit

Religion ist Privatsache. Das klingt eingängig. Denn Religion ist natürlich etwas Privates und Intimes. Doch Religion lebt auch von der Gemeinschaft. 

11.06.2016
Jesus am Kreuz (Foto: Pixabay)

Glaube wird gemeinsam praktiziert. An öffentlichen Orten, die für alle frei zugänglich sind.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Religion auch in der Öffentlichkeit gelebt werden darf. Der evangelische Glaube wurde in Österreich erst nach dem kaiserlichen Patent von 1781 toleriert. Zuvor mussten die evangelischen Bauern ihre Glauben gänzlich privat, ja im Geheimen leben und ihre Bibeln in den Stuben verstecken.

Erst die Französische Revolution brachte die Religionsfreiheit für alle als Menschenrecht. Jede und jeder soll seine Religion frei leben können, keine Religion soll über der anderen stehen. Und Religionsfreiheit heißt auch, seiner religiösen Überzeugung öffentlich Ausdruck geben zu können, ohne dafür verfolgt oder gemaßregelt zu werden. Deshalb ist der Staat allen Religionen gegenüber neutral. Nichts anderes bedeutet der Gedanke der Trennung von Kirche und Staat.

Wer Religion nur mehr im Privaten sehen will, verschämt gelebt in den eigenen vier Wänden, der vergisst, dass die öffentliche Präsenz Religionen auch ins Gespräch zwingt, indem sie gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen, was sie bewegt. 

Religion als Privatsache ist kein Mittel gegen Fanatismus und Radikalisierung, denn die gedeihen am Besten in geheimen Hinterzimmern.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

„Von Gott und der Welt"

Die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.