Von Gott und der Welt

Religiöse Eiferer

Das unwürdige Schauspiel hat ein Ende gefunden. Die Freiheitsstatue ist wieder geöffnet, die Staatsbediensteten bekommen ihr Gehalt. Die USA können durchatmen.

19.10.2013
Die Freiheitsstatue der USA (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Der sogenannte „government shutdown“, die Schließung des Staatsapparats, ist vorübergehend abgesagt. Für uns Europäer ist die Situation schwer zu verstehen. Ein Teil der republikanischen Opposition,  die „Tea Party“, hatte ihren Widerstand gegen die Gesundheitsreform von Präsident Obama bis an die Grenze einer Staatskrise getrieben. Ben Carson, aufstrebender Star der Republikaner, meinte sogar, Obamas Gesundheitsreform, die Krankenversicherung für jedermann, sei das Schlimmste, was den Amerikaner seit der Sklaverei angetan wurde. „Sie ist Sklaverei auf ihre Art, denn sie macht uns alle zu Untertanen der Regierung“, so Carson. Die Abgeordnete  Michelle Bachmann sieht gar die Apokalypse heraufdämmern.

„Wir müssen uns bewusst werden, dass wir in Gottes Endzeit leben.“ Unter dem Deckmantel des Christentums haben sich die Vertreter der Tea Party eine merkwürdige Religion gezimmert. Deren Glaubensgrundsätze sind: Krankenversicherung ist von Übel, wer arm ist, ist selber schuld, und wer immer etwas anderes glaubt, ist ein Landesverräter. Man könnte das als pseudoreligiöse Spinnerei sehen, hinge davon nicht das Wohl und Wehe der mächtigsten Nation der Welt ab, die noch dazu die Trennung von Religion und Staat in ihrer Verfassung verankert hat.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".