Von Gott und der Welt

Reich durch Glaube?

Donald Trump braucht alles im XXL Format. Während bei den Inaugurationsfeiern seiner Vorgänger ein oder zwei Pfarrer ein Gebet sprachen und den Segen für die Amtsführung erbaten, tun das bei Donald Trump gleich sechs Geistliche.

14.01.2017
Das weiße Haus in Washington (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Der katholische Kardinal Dolan von New York, Rabbi Mervin Hier sowie ein Vertreter der spanischsprachigen evangelikalen Glaubenskonferenz haben während des Wahlkampfs durchaus kritische Töne für den Kandidaten gefunden. Trump scheint sie einbinden zu wollen, um zu zeigen, dass er für alle Amerikaner da ist.

Augenfällig ist allerdings, dass kein Vertreter einer der traditionellen US-Mehrheitskirchen – der Methodisten, der Presbyterianer oder der Lutheraner – unter den Predigern ist. Dafür aber gleich zwei Vertreter einer sogenannten „Wohlstandskirche“, die ein krude Mischung aus Glaube, der Theorie des „positiven Denkens“ und des materiellen Reichtums zu einer Religion des Gewinns verquicken.

Paula White bringt diese Lehre auf den Punkt: „Ihr habt die schöpferische Macht, Leben oder Tod zuzusprechen! Wenn ihr Gott glaubt, dann könnt ihr in eurem Leben alles schaffen.“ In dieser Botschaft ist auch verpackt, dass, wer es nicht schafft, wer nicht reich und wohlhabend wird, einfach nicht genug geglaubt und positiv gedacht hat. Das ist die Religion, die Trump passt. Mit dem Glauben an Gott, der die Schwachen stärkt und die Armen liebt, hat diese Religion allerdings nichts mehr gemein.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".