Von Gott und der Welt

Reich Beschenkte

Ich schaue gern den Opernball. All die glitzernden Orden auf den Fräcken und die eleganten Roben, die erfreuen mein Herz. Während ich mich gewundert habe, wer da wen in seine Loge geladen hatte, kam mir Martin Luther in den Sinn.

14.02.2015
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone". (Foto: Luiza Puiu)

Kurz vor seinem Tod hat er noch auf eine Stück Papier geschrieben: „Bettler sind wir, das ist wahr!“ Luther hat damit nicht auf den bevorstehenden Tod angespielt, bei dem das letzte Hemd, ja bekanntlich keine Taschen hat und alle gleich sind, ob arm oder reich, sondern er sah in dem Satz, eine Zusammenfassung seiner Theologie. Bettler sind wir, weil wir mit leeren Händen vor Gott stehen und alles was wir haben, uns geschenkt ist.

Von Geburt an sind wir Empfangende. Keiner kommt fertig auf die Welt. Das Leben ist ein Geschenk. Und vieles bei dem wir glauben, dass wir es nur uns selbst und unserer eigenen Leistung verdanken, ist uns zugefallen, oder wurde uns schon durch die Familie in die Wiege gelegt. Niemand erschafft sich selbst. Niemand kann aus sich selbst heraus leben. Weil wir Beschenkte sind, können wir auch selber schenken, das was wir empfangen haben, können wir großzügig weitergeben.

Von Geburt an sind wir Empfangende. Keiner kommt fertig auf die Welt. Das Leben ist ein Geschenk.

So ist es sicher auch bei den Opernballbesuchern, weil sie so viel im Leben geschenkt bekommen haben, sind sie alle große Wohltäter, beschenken gerne andere und freuen sich, das ihre, teilen zu können. In Gedanken bin ich selig vor dem Fernseher eingeschlummert und jetzt kann mich nicht mehr erinnern, ob ich all das nur geträumt habe.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".