Von Gott und der Welt

Recht und Moral

Arbeiter in Quatar bauen unter elendigsten Bedingungen die Stadien für die Fußball-WM 2022. - Der Fußball nimmt Menschen ihre Rechte.

29.05.2015
Ein Fußball auf dem Rasen in einem leeren Stadium (Foto: Pixabay)
Der Fußball nimmt Menschen ihre Rechte. (Foto: Pixabay)

Der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm berichtet in stern TV von Dreck, beißendem Gestank nach Fäkalien, Schlafräumen, in denen acht Menschen auf wenigen Quadratmetern untergebracht sind, und Waschräumen, die von 60 Menschen gemeinsam genutzt werden.

Das Resümee Blüms: „Hier siehst du Menschen, die entwürdigt werden. Ausgebeutet, zurück in die alte Sklavengesellschaft.“ Der Fußball nimmt Menschen ihre Rechte – nicht nur in Quatar. Bei jeder WM, ob in Südafrika oder Brasilien, mussten die Straßenhändler, die ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Getränken rund um die Stadien erwirtschaften, der Macht der Konzerne weichen, wurden ganze Viertel planiert, um Platz für Parkplätze zu schaffen.

Das alles ist bekannt, hat aber nicht zu den Verhaftungen der FIFA-Spitzenfunktionäre geführt. Denn das alles ist ja rechtens. Die sieben wurden festgenommen, weil sie für Medien- und Vermarktungsrechte Bestechungs- und Schmiergelder in Höhe von über 100 Millionen Dollar angenommen haben sollen. Wären die ehrenwerten Herren sauber geblieben und hätten nur die Großkonzerne am Elend der Bevölkerung vor Ort profitiert, wäre wohl alles in bester Ordnung.

Egal, was beim Prozess gegen die FIFA-Funktionäre herauskommt – als Fußball-Fan muss man sich überlegen, ob man in diesem moralisch verlotterten System mitjubeln will.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.