Von Gott und der Welt

Prophet wider Willen

Der Prophet Jona gilt allen drei abrahamitischen Weltreligionen als Prophet – sowohl dem Judentum, als auch dem Christentum und dem Islam.

09.08.2014
Ein Porträt von Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
Die Geschichte vom Propheten Jona ist die Geschichte von Gottes Barmherzigkeit.

Die Terrortruppen des so genannten "Islamischen Staates" IS haben die Moschee beim dem Propheten Jona zugeschriebenen Grab gesprengt und die Grabstelle geschändet. Jona sollte im Auftrag Gottes die Stadt Ninive zur Umkehr bewegen. Er sollte ihnen predigen, dass ihr gottloses Leben sie in den Ruin führen würde.

Jona aber weigerte sich, den Auftrag Gottes durchzuführen. Er floh übers Meer, wurde aber vom großen Fisch geschluckt und wieder auf den rechten Kurs gebracht.

So musste er schließlich zu den Bewohnern von Ninive predigen, und es geschah das Wunder: Sie bekehrten sich.

Gott freute sich und zeigte sich barmherzig. Er vergab ihnen und bestrafte sie nicht. Das wiederum machte Jona wütend. Denn in seinem Herzen war er ein religiöser Eiferer, der die Ungläubigen lieber tot als lebendig gesehen hätte. Doch schließlich war Gott auch ihm gegenüber barmherzig und verzieh ihm seinen Starrsinn.

Die Geschichte vom Propheten Jona ist die Geschichte von Gottes Barmherzigkeit.

Dass ein unbarmherziges Terrorrregime wie die Truppen des IS, das Religion nur als Bemäntelung seiner Machtbessenheit verwendet, das Grab Jonas zerstört, nimmt nicht Wunder. Dass die Reaktion des Westens, religiöse Minderheiten  im Nordirak vor diesem Regime zu schützen, solange gedauert hat, hingegen schon.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.