Von Gott und der Welt

#prayfornizza

Trauer, Schrecken und Entsetzen herrschen nach der Attacke von Nizza. Es ist nicht der erste Anlass, der zu weltweiter Betroffenheit führt.

16.07.2016
Hände, die zum Gebet gefaltet sind (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Politiker geben ihrer Trauer Ausdruck und beschwören die Werte der Demokratie, die verteidigt werden müssten. Die Botschaft ist: Wir lassen uns nicht unterkriegen von einer Macht, die nur Zerstörung, Spaltung und Tod als ihr Ziele kennt.

Die Kirchen der Welt rufen zum Gebet auf, zum Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen. Unter dem hashtag #prayfornizza wird auch in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen. Einige Reaktionen darauf haben mich nachdenklich gemacht. Sei es nicht zynisch, oder eine Verhöhnung der Opfer zum Gebet aufzurufen, das helfe doch niemand, ist da zu lesen.

Hilf- und Ratlosigkeit, ohnmächtige Trauer und Wut sind das erste, was ich spüre, wenn ich vor solch großem widerwärtigem Schrecken höre.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Aber vielleicht ist es ja gerade das, was das Gebet ausdrücken kann, das Eingeständnis der eigenen Hilf- und Ratlosigkeit. Hilf- und Ratlosigkeit, ohnmächtige Trauer und Wut sind das erste, was ich spüre, wenn ich vor solch großem widerwärtigem Schrecken höre.

Das Gebet hilft zuallererst dem Betenden, sich dieses Gefühl einzugestehen und sich nicht allein damit zu fühlen. Und es kann auch Angehörigen, die selbst an Gott glauben, aber durch diesen Verlust mit ihrem Gott hadern, die Gewissheit geben, anderen fühlen mit mir. Und wenn das Gebet nicht zu mehr dient, als sich nicht in vorschnelle Reaktionsmustern und Lösungsvorschlägen zu flüchten, hat es sein Gutes und richtet zumindest keinen Schaden an.

„Von Gott und der Welt"

Die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung