Von Gott und der Welt

Päpstliche Umfrage

Papst Franziskus ist ein freundlicher Mann und weckt große Hoffnungen auf Neuerung.

09.11.2013
Blick auf den Petersplatz im Vatikan in Rom (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

So erscheinen selbst althergebrachte Gebräuche im neuen Licht der Weltpresse und werden als Weltsensation, gar als Revolution gedeutet. Bei näherer Betrachtung waren sie auch unter seinen Vorgängern üblich, wurden aber von niemandem beachtet.

So werden schon seit Jahrzehnten vor Bischofssynoden in Rom Fragebögen an die Bischöfe versandt, um zu erfahren, wie die kirchliche Lehre in den einzelnen Diözesen angenommen wird. Bislang hat kaum jemand davon Notiz genommen, obwohl sie im Internet veröffentlicht wurden. Das ist diesmal anders.

Der Papst ist neu. Und es geht um Fragen der Familien- und Sexualmoral - also um Fragen, bei denen zwischen kirchlichem Lehramt und der Lebenspraxis der Katholikinnen und Katholiken ein tiefer Graben besteht. Dabei fällt auf, dass die Fragen nicht für die Gläubigen geschrieben sind. Sie sind so verklausuliert und kompliziert, dass sich die renommierte Wochenzeitung die Zeit bemüßigt gesehen hat, sie in allgemein verständliche Fragen zu übersetzen. So könnte aus einem üblichen, wenig überraschenden Vorgang doch noch etwas Spannendes werden, wenn Laien Antworten auf Fragen geben, die vom Vatikan gar nicht für sie bestimmt  waren. Evangelische Christen werden übrigens von ihrer Kirche nicht gefragt. Müssen sie auch nicht, sie bestimmen dort ja auf allen Ebenen der Kirchenleitung demokratisch mit.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".