Von Gott und der Welt

Nächstenliebe

„Wer ist mein Nächster?“ fragte ein reicher Jüngling Jesus. Jesus gibt ihm keine direkte Antwort darauf, sondern erzählt eine Geschichte.

16.01.2016
Pictogramm mit zwei Händen symbolisieren helping hands

Die Geschichte von einem, der unter die Räuber gefallen ist, verletzt ihm Graben lag und an dem seine Landsleute achtlos vorübergingen, weil sie wichtigeres zu tun hatten, Prioritäten setzen mussten. Letztendlich wird ihm aber von einem Ausländer, dem barmherzigen Samariter geholfen. Am Ende der Geschichte stellt Jesus die entscheidende Frage.

Wer glaubst du, ist dem, der unter die Räuber gefallen ist, zum Nächsten geworden?

Die Antwort ist klar: Der der geholfen hat.

Nächstenliebe ist der Ernstfall und Lackmustest der Menschlichkeit. Jesus gibt uns ein Beispiel. Nächstenliebe ist der spontane Impuls Menschen in Not zu helfen, wer immer sie auch sind, woher immer sie auch herkommen. Hätte der Samariter nur an die seinen gedacht, hätte er sich sein Geld gespart und wäre nach Hause, nach Samaria geritten, und hätte sich eingereiht, unter die, die wichtigeres zu tun hatten. Doch er ist dem, der der Hilfe bedurfte zum Nächsten geworden.

So geht es auch uns. Nächstenliebe heißt, dass wir selbst Nächste werden können, dem spontanen Impuls helfen zu wollen, nachgeben können. Bei der Nächstenliebe geht es immer um uns, ob wir bereit sind den anderen, denen die Hilfe brauchen, nahe zu sein. Nächstenliebe ist keine Abstandsmessung, sondern eine Standortbestimmung der eigenen Menschlichkeit.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.