Von Gott und der Welt

Nach der Wahl

England gilt als Mutter der Demokratie. Der Umgang mit dem Brexit zeigt zwar, dass auch eine alte Tradition nicht vor Wirrungen schützt. Doch aus der Geschichte der britischen Demokratie lässt sich etwas lernen.

21.10.2017
Eine gezeichnete Wahlurne (Foto: Pixabay)
Foto: Pixaybay

So hat John Wesley, der Begründer der Evangelischen Methodisten-Kirche, schon bei der Parlamentswahl 1774 den Wahlberechtigten seiner Glaubensgemeinschaft drei Grundsätze mitgegeben, die nichts an Aktualität verloren haben.

Zum einen: „Wählt die Person, die euch am wertvollsten erscheint, ohne selbst einen Vorteil daraus ziehen zu wollen.“ Zum anderen: „Verliert kein böses Wort über die, die ihr nicht gewählt habt.“ Und schließlich: „Haltet eure Launen im Zaum, richtet sie nicht gegen die, die für die andere Seite gestimmt haben.“

Natürlich war John Wesley ein frommer Mann, aber seine Mahnungen sind nicht nur geistlicher, sondern ganz praktischer Natur. Oft folgen bösen Worten böse Taten. Und Übellaunigkeit stimmt selten froh.

Wer über andere Böses denkt, vergiftet seine eigene Seele, und wer seine schlechte Laune an anderen auslebt, dem geht es danach nicht besser.

Das Gegenteil ist wahr. Wer über andere Böses denkt, vergiftet seine eigene Seele, und wer seine schlechte Laune an anderen auslebt, dem geht es danach nicht besser. John Wesley wusste, Wahlergebnisse haben eine kurze Ablaufdauer. Längstens fünf Jahre später kann die Welt wieder anders aussehen, da fallen Bosheit und Verachtung des politischen Gegenübers wieder auf einen selbst zurück. So ist es besser, erst gar nicht damit zu beginnen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".