Auf die richtige Unterstützung beim Lernen kommt es an

Nach der Flucht: So können Lern-Träume wahr werden

Ramez ist ein zielstrebiger junger Mann. Nach einer langen Reise, wie er sagt, ist er 2011 nach Österreich gekommen. Seine älteren Geschwister hat es auf der Flucht in andere europäische Länder verschlagen. Seine Eltern mit den jüngeren Geschwistern leben im Iran.

18.05.2016
Porträtfoto von Ramez
Ramez ist froh, in Sicherheit zu sein, und sich hier ein Leben aufbauen zu können

Wenn Ramez erzählt, dass er in Afghanistan zwar die Schule besuchen konnte, jedoch an den Nachmittagen und spät bis in die Nacht hinein in der Schneiderei seines Vaters helfen musste, dann klingt das nicht anklagend. Er findet es nur schade, dass das Geldverdienen stets über dem Lernen und der Ausbildung stand. Deshalb ist Ramez auch so froh, hier in Österreich die Chance auf Ausbildungen bekommen zu haben.

Als minderjähriger Flüchtling lebte Ramez in einem Flüchtlingshaus der Diakonie. Dort lernte er bald so gut Deutsch, dass er schon in seinem ersten Jahr die Vorbereitung für den Hauptschulabschluss machen konnte, und sich anschließend den Hauptschulabschluss auch innerhalb weniger Monate erarbeiten konnte.

Die BACH-Schule der Diakonie war ideal für mich

„BACH war besonders deshalb so wichtig für mich, weil dort der Hauptschul-Abschlusskurs genau auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen abgestimmt ist. Jeder von uns hat damals genau die Unterstützung bekommen, die jeder gebraucht hat“, erzählt Ramez. "Außerdem lernt man dort auch alles, was man braucht, um sich in Österreich zurechtzufinden. Drum war es auch leicht für mich, den österreichischen Schulabschluss zu machen, der für mich die Grundlage für alles weitere ist und war.

Jugendliche lernen im Bildungszentrum BACH der Diakonie

Außerdem habe ich schon während der Zeit bei BACH bei einem Praktikum den Beruf des Altenpflegers kennengelernt, den ich jetzt ausübe,“ erzählt Rames. Gleich nach dem Schulabschluss - er hatte damals schon einen positiven Asylbescheid - hat sich Ramez der Ausbildung zum Altenpfleger gewidmet. Er hat diese abgeschlossen und ist jetzt seit einigen Monaten in einem Altenpflegeheim tätig.

„Ich verstehe mich gut mit den alten Leuten“, erzählt Ramez. „Und wir haben eines gemeinsam: Eine Vergangenheit in einer Zeit, in der es kein Handy und keinen Computer gab“, scherzt der junge Mann.

Träume können wahr werden

Abgesehen davon, dass es Ramez nach vielen Jahren der Entbehrungen auf der Flucht und als Asylwerber in Österreich jetzt erstmals möglich ist, alleine zu wohnen, seiner täglichen Arbeit nachzugehen, und ein bescheidenes Gehalt zu beziehen, hat Ramez aber noch einen alten und langgehegten Traum, den er gerne verwirklichen möchte: Er möchte Mathematik oder Physik studieren.

„In Afghanistan hatte ich einen Lehrer, der schien damals aus einer anderen Zeit gekommen zu sein. Er hat uns immer sehr stark im Lernen bestärkt, und hat uns alles so erklärt, dass es uns ganz einfach zu sein schien. Auch im BACH-Lernzentrum habe ich immer Unterstützung bekommen, und deshalb liebe ich Mathematik bis heute! - Vielleicht werde ich nach meinem Studium einmal Forscher oder Erfinder werden. Ich weiß, dass mehr in mir steckt“.

Alle Infos zum BACH-Bildungszentrum

BACH ist ein Bildungszentrum der Diakonie in Mödling (NÖ), wo junge Migrantinnen und Migranten Basisbildung und Alphabetisierung erfahren, und danach ihren Pflichtschulabschluss absolvieren können. Außerdem können sie Bildungs- und Berufsberatung, sowie eine Einführung in den ersten Arbeitsmarkt bekommen.

Ramez hat - wie viele junge Flüchtlinge - bei BACH mit dem Hauptschulabschluss die wichtigste Grundvoraussetzung zur Integration geschaffen. Nur nach einem formalen Hauptschulabschluss ist der Einstieg in das österreichische (Aus-)Bildungssystem möglich, und auch einen Zugang zum Arbeitsmarkt gibt es in Österreich nur mit einem Hauptschulzeugnis.