Von Gott und der Welt

Moses

Wenn auf den Baumwollfeldern der Südstaaten der Gospel, „Go down Moses“, gesungen wurde, kann es sein, dass die Sklaven beim Singen nicht nur an Moses, den Anführer der Israeliten, der sein Volk aus der Sklaverei nach der Flucht aus Ägypten ins gelobte Land führte, dachten.

23.04.2016
Ein rosiger Zaun vor einem Feld (Foto: Pixabay)

Sondern ihre Gedanken klammheimlich bei einer kleinen, schwarzen Frau, waren, von der sie hofften, dass sie ihnen zur Flucht verhelfen könnte.

Ihr bürgerlicher Name war Harriet Tubman, ihr Codename als Fluchthelferin aber Moses.

Harriet Tubman war selbst Sklavin. 1849 gelingt ihr die Flucht von Maryland in den Norden. Sie kehrte aber zurück, um unzählige andere Sklaven zu befreien. Sie bedient sich dabei des Systems der „Underground Railroad“, eines geheimen Systems von Orten und Unterstützern, getragen von vielen Kirchen, aber auch Schulen und einzelnen engagierten weißen und schwarzen Bürgern.

Sie stirbt mittellos 1913. Doch sie wird nicht vergessen.

Jetzt, mehr als hundert Jahre später, ist sie die erste Schwarze, deren Bild einen 20 Dollarschein ziert. In der Evangelischen Kirche wird ihrer alljährlich am 10. März gedacht. Wenn die Gemeinden „Go down Moses“ singen, dann denken sie an Moses, den Fluchthelfer in Ägypten, an Harriet Tubman, die Fluchthelferin in den USA und sie beten für die vielen Menschen, die heute Menschen auf der Flucht beistehen. Und sie sind wie Harriet Tubman gewiss, dass Gott einer ist, der nicht will, dass Menschen im Elend verkommen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.