Glücksmomente: Fortschritte erleben können

Mobile heilpädagogische Frühförderung und Familienbegleitung

Ein Erfahrungsbericht von Frühförderin Brigitte Pöttler, die 5 Jahre lang die Zwillinge Lena und Markus sowie deren Familie begleitet hat.

16.01.2018
Ein Kind schaut in einen am Boden liegenden Spiegel (Foto: Diakoniezentrum Spattstrasse))

Es gibt sie zum Glück immer wieder, diese besonderen Momente der Freude, wenn etwas gelingt, aufgeht, gut wird. Brigitte Pöttler ist Frühförderin. Sie kennt neben vielen erschütternden und anstrengenden Erlebnissen auch diese Glücksmomente. Die Entwicklung der Zwillinge Lena und Markus von Familie S. gehört auf jeden Fall dazu.

Generalisierte Entwicklungsverzögerung

Lena und Markus waren 11 Monate alt, als sie zu Familie S. gekommen sind (Namen von der Redaktion geändert). Bei den Zwillingen war eine „generalisierte Entwicklungsverzögerung“ diagnostiziert worden. „Das bedeutet, dass die Entwicklungsrückstände in den Bewegungen, in der Sprachentwicklung und im sozialen Verhalten anfangs sehr groß waren“, erklärt Brigitte Pöttler. Sie kam als Frühförderin in die Familie, als die Zwillinge ein Jahr alt waren.

Vertrauensvolles Verhältnis zur Familie

„Lena und Markus haben die Entwicklungsrückstände im Lauf der Zeit aufgeholt“, freut sich Brigitte Pöttler. Fast sechs Jahre lang hat sie die Familie begleitet, eine ungewöhnlich lange Zeit in der Frühförderung. Bei den wöchentlichen Besuchen ist es ihr gelungen, ein sehr inniges und vertrauensvolles Verhältnis zur Familie aufzubauen.

„Das ist meiner Meinung nach der beste Nährboden für eine gelingende Frühförderung“
Brigitte Pöttler

„Das ist meiner Meinung nach der beste Nährboden für eine gelingende Frühförderung“, schildert sie.

Unterstützung von Anfang an

Frau S. ist noch immer dankbar, wenn sie an diese Zeit zurückdenkt: „Ich habe mich von Anfang an sehr unterstützt gefühlt. Es ist nicht so einfach wie ich dachte, von einem Tag auf den anderen Mama zu werden, noch dazu von Zwillingen. Die Chemie hat gleich gestimmt mit Brigitte. Man wird ernst genommen mit all dem, was einem durch den Kopf geht. Brigitte hat auch viel Gespür gehabt, wenn es mir einmal nicht so gut ging. Es war dann auch möglich, dass sie alleine mit den Kindern gearbeitet hat und ich eine kurze Pause hatte.“

Selbstbewusste und ehrgeizige Kinder

Brigitte Pöttler ist berührt von der bedingungslosen Liebe, die Herr und Frau S. ihren Pflegekindern, die sie wie eigene Kinder behandeln, entgegenbringen. „Diese Liebe, die Geduld und Ehrlichkeit der Eltern, haben die positive Entwicklung bewirkt. So können Lena und Markus zu selbstbewussten und ehrgeizigen Kindern heranwachsen.“ Vor zwei Jahren kam noch ein drittes Pflegekind in die Familie. „Anja wurde bereits wunderbar ins Familienband integriert.“

Große Schritte

„Lena war lange Zeit eher introvertiert und ihrem Bruder gegenüber sehr zurückgezogen. Sie hat aber im letzten Kindergartenjahr, in dem Markus bereits die Vorschule besucht hat, sehr aufgeholt. Seit September kann Lena nun mit ihrem Bruder gemeinsam die 1. Schulklasse besuchen. Das freut mich sehr!“ Besonders in letzter Zeit haben die beiden große Schritte gemacht.

„In der Abschlusseinheit haben wir ein abenteuerliches Wald-Picknick gemacht. Als Dankeschön habe ich von der Familie ein wirklich wunderschönes, handgefertigtes Fotoalbum bekommen. Ich freue mich noch immer sehr darüber, denn so bleiben mir viele gemeinsame Stunden in bester Erinnerung.“

„Es ist schön, eine Familie so lange begleiten und so auch die Fortschritte erleben zu können. In der Frühförderung kommt das sehr selten vor."
Brigitte Pöttler

Warum frühe Hilfsangebote so wichtig sind

Ein Schlüssel zum Gelingen ist, auf die Bedürfnisse der Familie einzugehen, die kleinen Sorgen und Nöte zu erkennen und ihnen möglichst emphatisch zu begegnen. Das gilt für alle Frühförderfamilien. Wenn es den Müttern gelingt, sich in psychisch schwierigen Situationen zu öffnen und Hilfe anzunehmen, hat das ganz unmittelbar Auswirkungen auf die Kinder. Die Entspannung der Mütter und Eltern wird schnell beim Kind sichtbar, das plötzlich große Fortschritte machen kann. Wenn sich die Eltern psychisch wieder stabil fühlen, geht es auch den Kindern besser. Darum sind frühe Hilfsangebote ja so wichtig.