Sozialpädagogische Mädchenwohngruppe TAMAYA

Mit typgerechtem Styling die Selbstfindung erleichtern

Es ist Mittwoch und in der Wohngruppe Tamaya des Diakonie Zentrums Spattstraße ist Gruppenabend angesagt – kein gewöhnlicher, sondern einer, der für die Mädchen ein Geschenk sein soll. Es gibt einen Workshop für typgerechtes Styling und Tages-Make-up.

13.05.2017
Zwei Visagistinnen schminken zwei junge Frauen
1:1-Betreuung in Sachen Schönheit.Ein ungewöhnlicher Abend als Geschenk an die Mädchen der WG Tamaya.

„Ich wollte, dass die Mädchen einmal verwöhnt werden, dass sie etwas bekommen, das ihnen gut tut und dass sie einen schönen Abend verbringen“, erzählt Christina-Maria Skerlan-Gregori, Sozialpädagogin in der WG, die diesen Abend organisiert hat. Ihre Freundin Dana (Danijela Vuckovic) ist Make-up-Artistin und Stylistin. Gemeinsam mit 8 weiteren Visagistinnen, die alle mit Beauty-Case und jeder Menge Schminkutensilien ausgestattet waren, ist Dana an diesem Abend um 18.00 Uhr angerückt. Wie style ich ein Tages-Make-up? Welche Rolle spielen gepflegte Hände und Nägel? Was mache ich mit meinen Haaren? ... das sind ihre Themen, zu denen sie auch Unterlagen vorbereitet haben. 

Die Stylistinnen unterschiedlichen Alters und Typs haben kaum etwas gewusst über die WG und die Geschichte der Mädchen. Dementsprechend unbefangen und entspannt sind die Profis in Sachen Styling auf diese zugegangen. 

Die erste Hürde für die sieben Mädchen war die Vorstellungsrunde. Die Stylistinnen haben sich selbst vorgestellt. Die meisten sind erst im zweiten Bildungsweg bei ihrem jetzigen Job gelandet. Dann waren die Mädchen an der Reihe, zu erzählen, wer sie sind und was sie gerne machen. „Das hört sich leicht an, aber für die Mädchen sind das schwierige Fragen, die eng mit ihrem Selbstwert verknüpft sind. 

Die Selbstfindung ist ein Riesenthema:

  • Wer bin ich?
  • Was gefällt mir?
  • Was mache ich gerne?
  • Wie wirke ich und wie will ich wirken?
  • Was bin ich mir wert?“

Die Mädchen hatten an diesem Abend eine 1:1-Betreuung in Sachen Tages-Make-up zur Verfügung. Das Los hat entschieden, welches Mädchen von welcher Visagistin geschminkt wird. „Wie sehr sich da Typen, Charaktere und Stimmungen gefunden haben, war unglaublich. Das hätte nicht besser funktionieren können“ ist Christina noch immer verwundert und begeistert.

Schminkutensilien, die auf einem Essstisch liegen
Der große Esstisch, an dem sonst auch Teambesprechungen stattfinden, Hausübungen gemacht und Gespräche geführt werden, biegt sich an disem Abend voller Schminkutensilien.

Innerhalb kürzester Zeit war der große Tisch im Wohnzimmer voller Schminksachen: Make-up, Puder, Pinseln, Lippenstifte, Kajal, Wimperntusche, Nagellack, Fixiersprays... Als zusätzliche Überraschung durften sich die Mädchen etwas davon aussuchen und behalten.

Die zweite Hürde für die Mädchen war, sich abschminken zu lassen. Die 17-jährige Simona war immer noch unter ihrem Hut versteckt, ohne den sie nicht außer Haus geht. Sie musste von Christina erst ermutigt werden, ihn abzunehmen: „Du brauchst Dich nicht zu verstecken. Du bist so hübsch und Du hast auch so eine hübsche Frisur“.

„Auf unsere Art sind wir alle schön, das können wir mit dem Schminken noch unterstreichen“ wurde Dana nicht müde, zu wiederholen, besonders wenn ein Mädchen ihre Selbstzweifel zum Ausdruck brachte. 

So kannst Du aber nicht auf die Straße

„Es war spannend mit anzusehen, wie sich jede einzelne verändert hat und aufgeblüht ist. Für uns als Pädagoginnen ist es eine heikle Angelegenheit, den Mädchen manchmal sagen zu müssen: ‚Du hör mal, so kannst Du aber nicht auf die Straße gehen, oder so kannst Du nicht zum Vorstellungsgespräch gehen...’.“ Christina denkt an ein Mädchen, für das es besonders schwierig ist, herauszufinden, wer sie ist, was ihr steht und was für sie vorteilhaft ist. „Bei Nadja (16 Jahre) war die Veränderung an diesem Abend am größten. Sie war glückselig danach: ‚Schau, das bin viel mehr ich, nicht so elegant, sondern eher mehr rockig und trotzdem feminin.“

Auf unsere Art sind wir alle schön. Das können wir mit dem Schminken noch unterstreichen.
Danijela Vuckovic, Visagistin

Um 19.30 kam noch ein spezieller Gast in die WG. Sarah Katharina ist Fotografin und hat wie die Visagistinnen nach einem anstrengenden Arbeitstag ihr Know-how und Equipment mitgebracht. Sie hat ein professionelles Fotoshooting gemacht. Die Mädchen bekommen von ihr Porträtbilder und Bewerbungsfotos als Geschenk und Erinnerung an diesen Abend. 

„Der Abend war trotz der Vorfreude der Mädchen auch eine große Herausforderung für sie. Es freut mich sehr, dass sich die Mädchen diesen Herausforderungen gut stellen konnten. Das war im Vorfeld nicht ganz so klar und selbstverständlich. So eine Situation beinhaltet ja auch einen gewissen Stress“ schildert Christina. Letztendlich waren alle da. 

Simona hat übrigens nach dem Schminkabend prompt vergessen, ihren Hut wieder aufzusetzen. Seitdem sind schon ein paar Wochen vergangen. Er liegt noch immer im Erzieherzimmer.

Mehr über die Mädchenwohngruppe TAMAYA

In der sozialpädagogischen Mädchenwohngruppe TAMAYA des Diakonie Zentrum Spattstraße bieten wir neun Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren ein neues Zuhause. Durch die vertrauensvolle Atmosphäre und den beziehungsfördernden Umgang in der Wohngruppe entwickeln die Mädchen Selbstvertrauen und Selbstachtung. Hier erleben die Mädchen Halt, Sicherheit und Schutz.