Von Gott und der Welt

Mit Toten reden

Mein Vater ist vor mehr als 20 Jahren gestorben.

03.11.2014
Gräber auf einem Alpenfriedhof

Ich selbst war damals ein junger Mann. Jünger als mein Vater bei meiner Geburt gewesen ist. Sehe ich heute in den Spiegel mehr als zwei Jahrzehnte gealtert, erinnert mich das Bild, das ich sehe, an das Bild meines Vaters, wie ich es in mir trage. Das erst leicht angegraute Haar, die Geheimratsecken. Vater lässt grüßen.

Wir sind mit unseren Vorfahren verbunden, nicht nur äußerlich. Sie haben uns geprägt, Lebenseintscheidungen getroffen, die immer noch für unseren Weg mit bestimmend sind. Die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod, ist nicht nur eine religiöse Idee, sondern Realität. Jedes Leben ragt über den eigenen Tod hinaus, hinterläßt sichtbare und unsichtbare Spuren.

Die Besuche der Gräber zu Allerheilgen sind nicht nur ein Totengedenken, sondern mehr noch ein Dialog über die Grenze des Lebens hinweg. Nicht die Toten haben uns etwas zu sagen, sondern die, die in uns und unserer Erinnerung lebendig geblieben sind. Doch die Auferstehung der Toten, an die die Christen glauben, wird noch über den inneren Dialog hinaus gehen.

Im Brief an die Korinther steht:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.

Dann werde ich meinem wunderbaren Vater gegenüberstehen und ihm all die Fragen stellen, für die im Leben scheint's keine Zeit war.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.