Von Gott und der Welt

Mit offenen Armen

Das Land sei gespalten nach der Wahl des Bundespräsidenten wird konstatiert. Frauen haben anders gewählt als Männer, das Land anders als die Städte, Junge anders als Menschen mittleren Alters. Es gingen Risse durch das Land. Versöhnung tut not!

28.05.2016
Zwei reichen einander die Hand
Beide Seiten müssen ihre Arme öffnen, wenn Versöhnung gelingen soll. (Foto: Pixabay

Hohe Erwartungen richten sich an den neuen Bundespräsidenten. Er möge das Land versöhnen, damit alle wieder aus vollem Herzen „Unser Herr Bundespräsident“ sagen können.

Doch alleine die Welt versöhnen kann nur der liebe Gott. Und auch der erwartet von uns, wie es im Vaterunser heißt, wenn uns vergeben wird, dass auch wir unseren Schuldigern vergeben. Versöhnung ist also immer einer zweiseitiger Prozess. Versöhnung ist wie eine Umarmung. Eine Umarmung kann nur gelingen, wenn die Arme offen sind. Das ist ein Zeichen, dass ich Raum für den anderen geschaffen habe. Mit offenen Armen auf den anderen zugehen heißt, nicht mehr nur von sich selbst eingenommen zu sein.

Einer muss damit anfangen. Doch seine einzige Macht ist die Macht der offenen Bereitschaft, des geschaffenen Raumes und nicht die Macht der Gewalt, die die Grenzen des anderen durchbricht. Denn Gewalt macht jede Umarmung zunichte. Wer Versöhnung will muss warten können. Niemand kann zur Versöhnung gezwungen werden. Beide Seiten müssen ihre Arme öffnen, wenn Versöhnung gelingen soll.

Versöhnung kann nicht schnell gelingen. Es wäre ein schöner erster Schritt könnten wir alle ein wenig mehr mit offenen Armen durchs Leben gehen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.