#RechtAufKommunikation

Mit dem Tablet in die Trafik

Neue Technologien wie Tablet-PCs geben Menschen mit Sprachbeeinträchtigung eine Stimme

11.05.2018
Mit dem iPad gewinnt Ursula Obermayer ihre Sprache zurück (Foto Ulrike Rauch)
Mit einer speziellen Halterung ist das Gerät am Rollstuhl befestigt. Ursula Obermayer hat so in jeder Situation ihre „Stimme“ zur Verfügung (Foto Ulrike Rauch)

Wenn Ursula Obermayer Zigaretten kauft, darf eines nicht fehlen: ihr iPad. „Eine Packung Marlboro light, bitte“ spricht die Stimme aus dem Gerät stellvertretend für sie.

Ein Autounfall stellte die Welt der bis dahin als Abteilungsleiterin tätigen Frau auf den Kopf. Sie lebt seither mit einer Beeinträchtigung, die fast vollständige Begleitung notwendig macht. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Dinge, die selbstverständlich waren, muss sie wieder einüben.

Besonders die Sprache wird zur Herausforderung. „Menschen, die mich nicht kennen, können mich nicht gut verstehen, da ich mir beim Sprechen schwer tue.“ Über ihre Logopädin erfährt sie von der Unterstützten Kommunikation und der Beratungsstelle LIFEtool in Graz.

Einkauf in der Trafik mit technischer Kommunikationshilfe (Foto Ulrike Rauch)
Die Stimme aus dem Gerät spricht stellvertetend (Foto Ulrike Rauch)

Gemeinsam mit LIFEtool-Beraterin Johanna Schröttenhamer entwickelt Ursula Obermayer eine passende Kommunikationslösung: Ein iPad mit einer Sprachausgabe-App ist ab sofort ihr ständiger Begleiter. „Eigenes Vokabular ist der Schlüssel zur Selbstbestimmung!“ erklärt Johanna Schröttenhamer.

Mit einer speziellen Halterung ist das Gerät am Rollstuhl befestigt. Ursula Obermayer hat so in jeder Situation ihre „Stimme“ zur Verfügung. In der App „GoTalkNow“ speichert sie mit ihrer Begleiterin ihr wichtigstes Vokabular. Diese Wörter und Sätze ruft sie über einen einfachen Knopfdruck ab. Das iPad ist sozusagen ihr Sprachrohr.

iPad mit Sprachausgabe-App (Foto Ulrike Rauch)
In der App „GoTalkNow“ speichert Ursula Obermayer mit ihrer Begleiterin ihr wichtigstes Vokabular. Diese Wörter und Sätze ruft sie über einen einfachen Knopfdruck ab (Foto Ulrike Rauch)

„Damit bestelle ich im Gasthaus oder kaufe meine Zigaretten in der Trafik“ erklärt Frau Obermayer. Die freundliche Trafikantin reicht ihr die Zigaretten über die Theke. „Bitte geben Sie mir das Restgeld in die Geldtasche“, ersucht Ursula Obermayer über ihre App.

Mittlerweile fasst sie auch schon wieder neue berufliche Ziele ins Auge: Vor ihrem Unfall hatte sie im Büro viele Aufgaben am PC erledigt. Jetzt testet sie eine spezielle Tastatur von LIFEtool mit Fingerführraster. Damit kann sie wieder am Computer arbeiten und über E-Mail kommunizieren. „Nun möchte ich wieder eine Büroarbeit finden. Das wäre toll!“

Die LIFEtool Beratungsstelle des Diakoniewerks Steiermark in Graz informiert über Hilfsmittel und Spezialsoftware für Menschen mit Behinderung im Bereich Kommunikation und Arbeitsplatzadaptierung.
Tablet-PCs mit speziellen Sprach-Apps, Sprachcomputer mit Augensteuerung oder andere sprechende Hilfsmittel ermöglichen Menschen ohne Lautsprache sich mitzuteilen, Gespräche zu führen und selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen.

Der VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie finanziert die kostenlose Erstberatung.
Information und Kontakt: www.lifetool-graz.at