Nicaragua-Reisebericht von Aleksandra Kolodziejczyk

„MIRIAM“ steht für ein selbstbestimmtes Leben

Die Frauenrechtsorganisation MIRIAM in Nicaragua begleitet mittelose Frauen mit kostenloser rechtlicher Unterstützung und psychologischer Betreuung. Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin unserer Schwesternorganisation Brot für die Welt, hat die Partnerorganisation vor Ort besucht.

01.02.2016

Nicaragua ist das Land der Vulkane, der sandinistischen Revolution und der starken Frauen. Anfang Dezember 2015 durfte ich den mittelamerikanischen Staat besuchen. Nach einem regenarmen Sommer bin ich in den sonnigen, kühleren „Winter“ Nicaraguas gereist. Heiß war es dennoch allemal. Aus dem grauen Wien kommend, war es aber durchaus eine angenehme Abwechslung.

Ruine der Kathedrale in Managua, die Hauptstadt Nicaraguas
Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin unserer Schwesternorganisation Brot für die Welt, reist nach Managua, die Hauptstadt Nicaraguas

Managua, die 1,5 Millionen Hauptstadt Nicaraguas, bietet wenige Sehenswürdigkeiten. Das alte Zentrum wurde durch ein Erdbeben am 23. Dezember 1972 zerstört, wovon die Ruine der Kathedrale ein Zeugnis ablegt (die Uhr auf der Kathedrale zeigt übrigens die Zeit des Erdbebens an).
Kathedrale in Managua

Anfang Dezember befand sich Managua in der intensiven Vorbreitung des katholischen Festes „La Purísima“, das am 7. und 8. Dezember zur Ehre der Heiligen Maria mit Prozessionen gefeiert wird. Jährlich entspinnt sich im Vorfeld ein Wettbewerb um den schönsten Altar. Die prachtvoll und ideenreich gestalteten Altäre konnte ich an den Straßenrändern Managuas bestaunen.

Mein Hauptziel der Reise war jedoch nicht das Genießen des touristischen Angebots Nicaraguas, sondern unter anderem der Besuch unserer Projektpartnerorganisation MIRIAM in Somotillo.

Team der Frauenrechtsorganisation MIRIAM
Die Frauenrechtsorganisation MIRIAM in Nicaragua begleitet mittelose Frauen mit kostenloser rechtlicher Unterstützung und psychologischer Betreuung.

Somotillo ist nur 5 Kilometer von der Grenze zu Honduras und vier Busstunden von Managua entfernt. Rund 33.000 EinwohnerInnen leben dort. Das Klima ist heiß und trocken. In der Umgebung wird Viehzucht betrieben, es werden Mais, Sesam und Wassermelonen angebaut. Viele Männer in Somotillo verdienen ihr Geld, indem sie Taxifahrten mit dem Fahrrad anbieten. Frauen bringen ihre Familien durch mit dem Verkauf von Tortillas (Maisfladen), als fliegende Händlerinnen von Lebensmitteln oder Haushaltshilfen. Das Städtchen besteht aus erdgeschößigen, bunt angemalten Häusern. Sträucher und kleine Bäume säumen die Straßen. In den kühleren Abendstunden sitzen viele Menschen in Schaukelstühlen vor ihren Häusern.

Klientin der Frauenrechtsorganisation MIRIAM
Bei MIRIAM werden Frauen betreut, die von Gewalt betroffen sind.

MIRIAM hat sich in einem gelb-grünen Haus eingerichtet. Die Mitarbeiterinnen, die mich herzlich empfangen, betreuen hier Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Viele Frauen kommen zu MIRIAM, weil die Väter die verpflichtenden Unterhaltszahlungen für ihre Kinder nicht entrichten wollen. Ich treffe Amelia Vilchez Ferrofino. Sie ist vor zweieinhalb Jahren zu MIRIAM gekommen. Sie arbeitet als Haushaltshilfe, verdient nicht viel und hat einen Sohn, der 7 Jahre alt ist und bereits in die Schule geht. Mit Hilfe der Anwältinnen von MIRIAM zahlt der Vater mittlerweile Alimente für seinen Sohn, der dadurch in die Schule gehen kann. Bildung in Nikaragua ist kostenlos, de facto heben aber alle Schulen Schulgeld ein, da der Staat nur die niedrigen Gehälter der LehrerInnen zahlt.

Eine Klientin der Frauenrechtsorganisation MIRIAM
Amelia Vilchez Ferrofino hat bei MIRIAM kostenlose Beratung und Begleitung erhalten.

Amelia Vilchez Ferrofino hat bei MIRIAM kostenlose Beratung und Begleitung erhalten. Auch heute noch kommt sie gerne bei MIRIAM auf ein Gespräch mit den Mitarbeiterinnen vorbei, das Büro liegt auf dem Weg zur Schule, wo sie ihren Sohn hinbringt. Ohne die Unterstützung von MIRIAM hätte sie ihren Ex-Partner nie zu einem Vaterschaftstest bewegen können und müsste heute noch alleine für ihren Sohn aufkommen.

Bei MIRIAM gibt es nicht nur kostenlose rechtliche Unterstützung, sondern auch psychologische Betreuung für mittellose Frauen. Indira Hernández Quiroz arbeitet seit dreieinhalb Jahren als Psychologin bei MIRIAM. Innerfamiliäre und sexuelle Gewalt trifft viele Frauen, die wenigsten bekommen Unterstützung von der Familie, erzählt Indira. Es ist sehr schwer, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen und noch schwieriger den Mann zu verlassen, gerade wenn die Frau kein eigenes Einkommen hat. Deswegen bietet MIRIAM einigen Frauen ein Stipendienprogramm an. Sie können eine Ausbildung absolvieren und während dieser Zeit erhalten sie eine finanzielle Unterstützung, Fortbildungen und die Möglichkeit bei MIRIAM mitzuhelfen.

Eine MIRIAM-Mitarbeiterin berät eine Klientin
Bei MIRIAM gibt es nicht nur kostenlose rechtliche Unterstützung, sondern auch psychologische Betreuung für mittellose Frauen.

Indira hat schon viele schwierige Geschichten von Gewalt gehört. Es interessiert mich, was sie für diese anspruchsvolle und emotional fordernde Tätigkeit motiviert. Indira antwortet mir: „Man muss sich in die Situation der Anderen versetzen. Die Frau könnte meine Schwester, meine Mutter oder meine Großmutter sein. Und wir sind Menschen, wir haben Menschenrechte und wenn wir sie nicht verteidigen, dann ist es schwierig die Situation zu verändern.“

Die Arbeit von MIRIAM macht Hoffnung, zumindest für die Frauen, die dort Unterstützung und Hilfe erhalten und sich so aus gewalttätigen Beziehungen lösen können. MIRIAM ist mittlerweile so bekannt, dass die meisten Frauen durch Hörensagen kommen. In einem Land, in dem sich die meisten Menschen nur das Notwendigste leisten können, ist die kostenlose Beratung und Bereuung von MIRIAM Gold wert. Abgegolten wird sie mit Dankbarkeit.

Reisebericht von Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin unserer Schwesternorganisation Brot für die Welt

So können Sie helfen!

Die Arbeit der Frauenrechtsorganisation MIRIAM wird über Spenden finanziert. Das bewirkt Ihre Spende:

  • €17 = Psychologische Betreuung für 1 Monat
  • €37 = Beitrag für Workshops
  • €120 = Gerichtskosten

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