Die Mietrechtsberatung der Diakonie verzeichnet alarmierende Fallzahlen

Mietbetrug ist ein gutes Geschäft – Flüchtlinge sind die einfachsten Opfer

Die Wohnberatung des Diakonie Flüchtlingsdienst ist entstanden in der Zeit, als händeringend Wohnplätze für neu angekommene AsylwerberInnen gesucht waren.

23.03.2017
Wohnhaus mit undichtem Dach, feuchte Stellen auf allen Wänden
Dass Menschen in solchen Häusern wohnen müssen kann nur funktionieren, weil das Angebot an leistbarem Wohnraum viel zu klein ist. (Foto: privat)

Viele Menschen in Wien, Niederösterreich und auch in anderen Bundesländern haben sich damals bereiterklärt, ihre privaten Räume mit Flüchtlingen zu teilen oder sie Flüchtlingsfamilien zur Verfügung zu stellen. Und die Wohnberatung der Diakonie war behilflich in der Vermittlung zwischen den Wohnraum-Suchenden und den Wohnraum-Gebenden. Mittlerweile halten viele Flüchtlinge ihre positiven Asylbescheide in Händen, müssen aus organisierten Unterkünften ausziehen und sind damit wieder auf der Suche nach langfristigen Wohnungen. – Und  brauchen dabei wieder Hilfe. Aber diesmal eine andere Art von Hilfe:

Der Wohnraum in Wien ist knapp

Das weiß jeder und jede, die schon einmal in der Situation war, eine Wohnung in der Hauptstadt zu suchen, die für die jeweilige Brieftasche passt. - Noch einmal schwieriger ist die Wohnungssuche für Menschen auf der Flucht. Dir Gründe sind zahlreich. Vielen fehlt das Geld. Und auf der anderen Seite fehlt oft das Verständnis für deren Lage, bzw. werden sie auch offen diskriminiert.  Noch einmal schwieriger wird die Suche für jene Flüchtlinge, die sich glücklich schätzen dürfen, dass ihre Familien – oft mit mehreren Kindern – nun ebenfalls nach Österreich nachkommen konnten. In jedem Fall ist es so, dass die Familien unter großem Druck eine Wohnmöglichkeit suchen, und leider werden viele von ihnen in dieser Lage oft Opfer von Mietbetrug.

Flüchtlinge werden besonders leicht Opfer von Mietbetrug

Aus diesem Grund hat die sich Wohnberatung der Diakonie seit einigen Monaten darauf spezialisiert, Mietrechtsberatung für Flüchtlinge anzubieten. „Rund 100 Betroffene kommen pro Woche zu uns in die Beratungsstelle. Die meisten, weil sie auf der Suche verzweifeln, oder auch schon in Not, weil sie kurz nach dem Einzug plötzlich ausziehen müssen, obwohl sie glaubten einen gültigen Mietvertrag unterschrieben zu haben“, schildert Verena Weilharter, Juristin der Diakonie Wohnberatung, die Lage. „Und oft müssen wir den Betroffenen sagen, dass wir die Vermieter leider schon kennen, und dass das leider oft passiert“.

Was die Wohn- und Mitrechts-BeraterInnen der Diakonie feststellen ist, dass sich – wegen der großen Knappheit an erschwinglichem Wohnraum in Wien, immer mehr Unternehmen zweifelhafter Seriosität, ganz speziell u.a. auf geflüchtete Menschen in ihrer besonderen Notlage einstellen. Sie verfolgen das Ziel diese „Marktlücke“ zu schließen.

Mietrechtsberatung der Diakonie ist leider für viele Menschen in dieser Situation eine der letzten Anlaufstellen neben Interface, die Beratung  für Anerkannte Flüchtlinge macht, und der Gebietsbetreuung der Stadt Wien. Die Partnerschaft mit beiden Einrichtungen ist sehr eng, und die Beratungsstellen unterstützen sich wechselseitig.

Mieterschutzorganisationen leider keine geeignete Anlaufstelle für Flüchtlinge

Die ebenfalls in Wien bestehenden Mieterschutzorganisationen (wie Mieternothilfe, Beratung in den Gebietsbetreuungen, in der AK und bei der Mietervereinigung) sind aufgrund finanzieller Hürden und Sprachbarrieren für Flüchtlinge als Informationsstelle nicht zugänglich.

Außerdem ist für Flüchtlinge eine reine Information nicht ausreichend, es bedarf im Streitfall (der regelmäßig eintritt!) einer Begleitung und Vertretung durch alle Verfahrensschritte. Dieses niederschwellige und kostenfreie Vertretungsangebot mit Fokus auf prekäre Wohnverhältnisse ist für diese Zielgruppe in Wien derzeit innerhalb der oben angeführte Einrichtungsangebote nicht ausreichend vorhanden.

Wie funktioniert die MieterInnen-Beratung der Diakonie?

Im optimalen Fall läuft die Beratung so ab:

  1. Wir machen mit der Familie eine Haushaltsplanung und legen gemeinsam fest, wieviel vom Familienbudget für das Wohnen ausgegeben werden kann.
  2. Wir erstellen ein Suchprofil für die gewünschte und leistbare Wohnung.
  3. Die Familie macht eine Internetsuche und kommt mit den gefundenen Wohnungen zu uns.
  4. Wir unterstützen die KlientInnen dabei, Termine für Wohnungs-Besichtigungen zu vereinbaren und begleiten sie bei Bedarf sogar zu diesen Terminen.

Wichtig ist da z.B. besonders, dass wir dem potenziellen Vermieter Sicherheit geben können, dass die Klienten gut beraten sind. Und dass sowohl Vermieter als auch Mieter auch in Zukunft bei uns Rat suchen können.

  1. Wir helfen den Klienten dabei, Mietunterstützung bzw. andere staatliche Hilfen zu bekommen.
  2. Wir prüfen den vorgelegten Mietvertrag vor dessen Unterzeichnung.

Wir unterstützen auch bei Strom- und Gas-Anmeldung, bzw bei der Einstufung für die ersten Rechnungen, damit es nicht später zu bösen Überraschungen kommt (Nachzahlungen).