Von Gott und der Welt

Menschlichkeit

Es ist oft so einfach. Dagmar Lassmann hat viel gesehen. Nicht nur Schönes. Sie ist viel herumgekommen auf der Welt.

22.08.2015
Foto der Aktion "Die größte Katastrophe ist das Vergessen" (Foto: ©Christoph Püschner/DKH)

Die Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe war an vielen Orten der Vorhölle, des Leids und der Katastrophe. Ob in Haiti oder Pakistan nach den Beben, oder den Flüchtlingslagern in Palästina oder Syrien hat sie geholfen, Hilfe zu organisieren.

Zum Welttag der Humanitären Hilfe vor einigen Tagen war Dagmar Lassmann zu Gast bei „Heute Leben“, der Nachmittagssendung des ORF. Eingangs hat sie Wolfram Pirchner gefragt, wie es den gelinge, Menschlichkeit zu beweisen in solchen Krisen. Die Antwort war so einfach wie überzeugend:

Menschlichkeit ist die normale Reaktion eines Menschen, wenn er einen andern sieht, der in Not geraten ist.

Zu helfen, Menschlichkeit zeigen, ist das Normale, das, was uns angeboren ist. Wegzuschauen, Ausflüchte zu finden, nichts zu tun, wenn wir jemanden sehen, der in Not ist, ist wider unsere Natur und unglaublich anstrengend. Nicht, helfen zu wollen, ist das Außergewöhnliche, sondern seine Hände in den Schoß zu legen, sich zu denken: „Was geht mich das an. Sind doch selber Schuld an ihrem Elend. Sollen sie doch wieder zurückgehen, wo sie hergekommen sind.“

Das entspricht der Menschenseele nicht. Menschlichkeit ist normal. Den Nächsten zu lieben, ist uns angeboren. Das ist auch leicht auszuprobieren. Helfen macht froh, die Not anderer zu ignorieren aber macht die Seele bitter.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.