Fachkommentar von Dr. Michaela Koller, Diakonie Zentrum Salzburg

Menschen als Säulen der Freiwilligenarbeit

Fachkommentar von Dr. Michaela Koller, Diakonie Zentrum Salzburg

13.10.2012
Ein Gruppenfotos des Freiwilligennetzwerks Salzburg (Foto: Diakoniewerk)
Regelmäßig neue Bekannte treffen, mit ihnen plaudern, spazieren gehen oder von ihnen verlässlich zum Arzt begleitet werden – das sind nur einige Möglichkeiten, die die Freiwilligen-Netzwerke Salzburg bieten. (Foto: Diakoniewerk)

Als vor knapp 12 Jahren ein Ehrenamtlicher Besuchsdienst implementiert wurde, war das Bild der Freiwilligenarbeit durchaus noch traditionell geprägt. Keiner dachte daran, dass daraus ein „Zukunftsfaktor“ für die Gesellschaft werden würde. In diesen Jahren hat sich das Bewusstsein für erforderliche Strukturen enorm gewandelt – zwar ist uns Freiwilligenarbeit nicht fremd, und doch muss dieses Thema in jede Zeit hineinbuchstabiert werden. Die Freiwilligenarbeit im Diakonie-Zentrum Salzburg ist entstanden als Projekt „learning by doing“, ohne Vorlagen und aus vielen Gesprächen und Reflexionen. Sie wird nie fertig sein, sondern ist immer im Werden und Entstehen. Ihre Säulen sind die Menschen, die damit beschäftigt sind.

Ausgangspunkt für die Entscheidung war eine Patientin, die wochenlang im Krankenhaus lag. In all der Zeit bekam sie keinen Besuch, sie war in der letzten Phase ihres Lebens allein. Daher entschied sich das Diakonie-Zentrum Salzburg für den Start des Projektes „Ehrenamtlicher Besuchsdienst“. Aus dem Ergebnis einer KundInnenbefragung wurden ein Anforderungsprofil und ein Lehrgang entwickelt, der im ersten Durchgang hausintern ablief, ab 2003 in Kooperation von Diakonie und Caritas gemeinsam. Insgesamt wurden bisher über 30 solche Lehrgänge mit ca. 400 TeilnehmerInnen durchgeführt. Aus den Berichten der TeilnehmerInnen über die Strukturen ihres Einsatzes vor Ort entwickelte sich der Schritt zum nächsten Angebot: derzeit wird der fünfte Lehrgang für FreiwilligenkoordinatorInnen von Diakonie und Caritas in Salzburg durchgeführt.

Die Diakonie steht in einer langen Tradition der Freiwilligenkultur.
Michaela Koller

Die Diakonie steht in einer langen Tradition der Freiwilligenkultur. Diese Kultur entstand nicht zufällig und zwischendurch, auch wenn es mitunter so wirkt. Damit Freiwilligenarbeit gelingen kann, braucht es einerseits Strukturen wie etwa die in Salzburg 2005 errichtete „Stabstelle Freiwilligenarbeit“. Kontakt, Gespräch und Erfahrungen miteinander sind andererseits wichtige Elemente der Freiwilligenkultur. Es gilt neben aller Tradition und Geschichte, offen und lernend zu bleiben.

Ich persönlich habe in diesen 12 Jahren sehr viel gelernt, das anzuführen, würde diesen Rahmen sprengen. Schlüsselpunkt war für mich, dass mir dieses Projekt anvertraut und diese Arbeit zugetraut wurde. Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass aus der Idee gelebte Wirklichkeit wurde. Explizit danken möchte ich an dieser Stelle Mag. Josef Scharinger, der als damaliger Geschäftsführer des Diakonie-Zentrums Salzburg die Bedeutung der Freiwilligenarbeit für unsere Gesellschaft erkannt und Erfahrungen dazu ermöglicht hat.