Von Gott und der Welt

Mensch oder Monster?

Noch nie war die Menschheit so nah dran an der technischen Perfektionierung des Lebens wie heute.

11.11.2017
3D Darstellung einer DNA
Eingriffe in die DNA vererben sich an zukünftige Generationen und sind nicht rückgängig zu machen. (Foto: Pixabay/qimono)

Anfang August wurde bekannt, dass es Forschern der Universität in Portland (USA) gelungen ist, im Erbgut eines mittels künstlicher Befruchtung gezeugten Embryos eine Mutation zu beheben, die eine schwere Herzkrankheit verursacht.

Der Traum vom künstlichen Menschen wurde schon in der Antike geträumt. Der Bildhauer Pygmalion hat sich seine Frau aus Elfenbein geschnitzt und ihr von der Göttin Venus Odem einhauchen lassen. Doch Traum und Alptraum liegen eng nebeneinander. Im Roman von Mary Shelley schafft Dr. Viktor Frankenstein kein hilfreiches künstliches Wesen, sondern ein Monster, das seiner Kontrolle entgleitet.

Der Eingriff in das Erbgut wird möglich durch die Entdeckung der sogenannten Gen-Schere Crispr-Cas9, mit der präzise, effizient und kostengünstig Teile der DNA beschnitten, gelöscht oder verändert werden können. Dieses Genom-Editing kann einerseits dazu eingesetzt werden Erbkrankheiten zu beseitigen, andererseits könnte es aber auch dazu führen, sich einen perfekten Übermenschen mit der Genschere zurechtschnipseln zu wollen. Eingriffe in die DNA vererben sich an zukünftige Generationen und sind nicht rückgängig zu machen.

Die Folgen dieser neuen Technik sind noch nicht absehbar. Ob aus dem Traum ein Alptraum wird, ist noch nicht entschieden.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".