Von Gott und der Welt

Liebe ohne Beweis

Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte. Es wird die Geschichte erzählt wie der Auferstandene mit seinen Jüngerinnen und Jüngern in Beziehung tritt, nach seinem Tod und über den Tod hinaus für sie Bedeutung erlangt.

19.04.2014
Drei Kreuze am Ölberg in Jerusalem im Sonnenuntergang
Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte über den Tod hinaus. Der Glaube an die Auferstehung braucht keine Beweise.

Die Frage nach einem Beweis der Auferstehung, nach einem historischen Beleg, sie greift zu kurz. Beweise haben in einer Liebebeziehung keinen Platz. Die Frage nach einem Liebesbeweis ist in sich der Nachweis, dass es mit der Liebe nicht weit her ist.
Maria von Magdala hat Jesu auf seinem Weg begleitet, hat unter dem Kreuz ausgeharrt. Sie ist auch die erste am Grab und findet das Grab leer. Die Augen voller Tränen, wendet sie sich an den Gärtner:

Hast du ihn weggetragen? Wohin hast du ihn gebracht? Ich will ihn holen.
Maria von Magdala

Erst als der vermeintliche Gärtner sie mit ihrem Namen anspricht, „Maria“, da erkennt sie ihn und will ihm um den Hals fallen. Der Auferstandene aber lässt es nicht zu: „Berühre mich nicht. Geh und erzähl es den Jüngern.“
Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte. Indem Jesus Maria beim Namen nennt, entsteht die Beziehung neu. Da braucht es keine Berührung, keinen Liebesbeweis mehr. Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte über den Tod hinaus. Der Glaube an die Auferstehung braucht keine Beweise. Christinnen und Christen zu allen Zeiten allerorten hören die Anrede des Auferstandenen, der mit ihnen in Beziehung tritt, nach seinem Tod und über seinen Tod hinaus für sie Bedeutung erlangt.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.