Von Gott und der Welt

Licht ins Dunkel

„Licht ins Dunkel!“ ist uns bekannt als erfolgreichste Spendenaktion des ORF, die seit vielen Jahrzehnten um die Weihnachtszeit Geld sammelt für Projekte, die Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung ermöglichen sollen, und für Familien in Not. Kurt Bergmann, ÖVP-Politiker und ORF-Manager, der „Gründervater“ von „Licht ins Dunkel“ ist dieser Tage im 81. Lebensjahr verstorben. Ihm gebührt Dank.

23.01.2016
Der Slogan "Ist da jemand?" der Aktion Licht ins Dunkel

Nicht nur für das viele Geld, das gesammelt wurde, sondern auch für den Namen der Aktion. Denn der lässt sich in zweierlei Hinsicht lesen. Einerseits, möchte man meinen, werde das Dunkel von notleidenden Familien erhellt und Licht gebracht in Situationen, in denen hauptsächlich Schatten zu finden ist. Diese Lesart hat der Aktion viel Kritik eingebracht. Denn das kann auch als Überheblichkeit der Starken, die sich im Licht wähnen, den Schwachen gegenüber, die auf der Schattenseite wohnen, verstanden werden.

Mir hingegen macht der Titel Freude, weil er mit der Bibel in der Hand gelesen werden kann. Da heißt es beim Propheten Jesaja:

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Notleidenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Wenn ich helfe, bringt das Licht in mein Dunkel. Dort wo ich mich überfordert fühle, an der Grenze meiner Kraft, dort hilft es auch mir, wenn ich mein Herz finden lasse. Helfen kann selbst im schwärzesten Herz ein Licht leuchten lassen wie am Mittag.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.