Teresa Mayr im Interview

Libanon - „Keine Hoffnung auf baldige Rückkehr“

Teresa Mayr, Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe und Projektreferentin für den Nahen Osten, ist vergangene Woche von einem Projektbesuch aus dem Libanon zurückgekehrt. Sie hat laufende Projekte der Diakonie mit der lokalen Partnerorganisation IOCC besucht und berichtet von ihren Eindrücken.

19.10.2016
Eine Beguenstigete bekommt eine Mahlzeit von der Suppenkueche der Diakonie Katastrophenhilfe  in Zahle
Die in der Gemeinschaftsküchen gekochten Mahlzeiten werden an besonders bedürftige syrische und libanesische Familien verteilt.

Redaktion: Wie ist die Situation der Flüchtlinge im Libanon?

Teresa Mayr: Die Lebensumstände der Flüchtlinge haben sich in den vergangenen Monaten kaum verändert. Der Großteil von ihnen lebt noch immer am Existenzminimum in notdürftigen Unterkünften und Zelten. Es ist ein täglicher Kampf um das Nötigste und es herrscht eine große Ungewissheit wie es weitergehen soll.  Manche Familien leben schon seit 3-4 Jahren im Libanon unter diesen Bedingungen. Im Gespräch mit betroffenen Frauen und Männer habe ich immer wieder gehört, dass eine baldige Rückkehr nach Syrien immer weiter in die Ferne rückt. An eine rasche Lösung des Konflikts glaubt kaum mehr jemand.

Was bedeutet der anhaltende Syrienkrieg für die lokale Bevölkerung im Libanon?

Es ist eine sehr große Belastung für das kleine Land. Die Zahl der Flüchtlinge, die aktuell im Libanon Zuflucht suchen, schwankt je nach Quelle zwischen 1.2 – 2 Millionen Menschen. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl irgendwo dazwischen. Das hat gewaltige Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur. Krankenhäuser und Schulen sind überbelegt, die Wasserversorgung und -qualität hat sich drastisch verschlechtert.  Schon zuvor hatte das Land mit einer mangelnden Energieversorgung zu kämpfen,  mittlerweile kommt es täglich zu Stromausfällen von bis zu sechs Stunden.

Wie hilft die Diakonie den Menschen vor Ort?

Beispielsweise durch die Gemeinschaftsküchen, die wir mit unserem lokalen Partner betreiben. Ich habe bei meinem Aufenthalt gemeinsam mit dem österreichischen Botschafter im Libanon die Küche in Zahle im Bekka Tal besucht. Hier kochen einerseits syrische und libanesische Frauen, aber auch ehemalige Häftlinge und Drogenabhängige, die aus dem nahegelegenen Rehabilitationszentrum kommen.

Mit dem Projekt bekommen sie die Möglichkeit schrittweise wieder in die Gesellschaft integriert zu werden. Die gemeinsame Arbeit schafft Begegnung und hilft dabei, bestehende Vorurteile zwischen den verschiedenen Volksgruppen und Religionen abzubauen – es ist wirklich ein lebendiges und freudiges Miteinander.

Die in der Gemeinschaftsküchen gekochten Mahlzeiten werden an besonders bedürftige syrische und libanesische Familien verteilt. Das ist ein wichtiger Beitrag damit sie über die Runden kommen.
Teresa Mayr, Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe

Die gekochten Mahlzeiten werden dann an besonders bedürftige syrische und libanesische Familien verteilt. Das ist ein wichtiger Beitrag damit sie über die Runden kommen. Zu Besuch bei einer libanesischen Familie konnten wir auch die Mama der Familie kennenlernen, die sich in der Küche schwere Verbrennungen am ganzen Körper zugezogen hat. Dank der warmen Speisen die sie von der Suppenküche bekommen, können sie jetzt das Wenige, das sie verdienen ansparen, um sich Medikamente für ihre Mama zu leisten.

Kinder sitzen vor einem Zelt im Flüchtlingslager im Libanon (Foto: Diakonie Katastrophenhilfe)
Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden

Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Wie wird ihnen geholfen?

Unsere Partnerorganisation hat mir berichtet, dass aktuell mehr syrische als libanesische Kinder im Libanon geboren werden. Viele von ihnen unter widrigsten Bedingungen und mit der großen Gefahr, gerade in den ersten Monaten nach ihrer Geburt, unter Mangelernährung zu leiden. Aus diesem Grund unterstützen wir die Arbeit von unserem Partner IOCC in den Primary Health Care Centers im Land. Speziell ausgebildete Hebammen und Ernährungsexpertinnen begleiten dabei schwangere Frauen und Mütter mit Kleinkindern und helfen mit ihrem Wissen die Versorgung der Babys zu sichern. Da geht es oft um ganz einfache Tricks wie z.B. das richtige Stillen oder einfache Hygieneregeln. Es hört sich zwar banal an, aber es rettet Leben und verhindert, dass Kinder unter schweren Folgen durch  Mangelernährung leiden. Familienplanung ist in den Gesprächen auch ein Thema. Das unsere Hebammen diesen sensiblen Bereich ansprechen können zeigt das große Vertrauen, das ihnen die syrischen Frauen entgegenbringen.

Was wird jetzt noch dringend gebraucht?

Einerseits ist es weiterhin wichtig die Ernährungssicherheit, wie wie zum Beispiel durch die Suppenküchen zu fördern, andererseits muss an den kommenden Winter gedacht werden. Als ich bei meinem jetzigen Besuch die Zeltsiedlungen der Flüchtlinge besucht habe war das Wetter schön und somit die Situation halbwegs erträglich. Wie die Situation in den Camps allerdings bei Regen oder Schnee aussieht möchte man sich lieber nicht ausmalen. Unsere Projektpartner bereiten sich deshalb schon jetzt für den kommenden Winter vor.

Bitte unterstützen Sie die Suppenküche im Libanon mit einer Spende!

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10,- Euro = 1 warme Mahlzeit für eine fünfköpfige Familie inkl. Zutaten, Personalkosten

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