Von Gott und der Welt

Leuchten lassen

Sich auf einer der „social-media“ Plattformen ins beste Licht zu rücken, gehört mittlerweile zu unserem Alltag. Aufmerksamkeit zu erhalten, ist zu einer Währung geworden. Es wird gezählt, wer mehr „follower“ und „likes“ hat. Auf wen das Licht fällt, der hat mehr Einfluss und Macht, prägt sein Umfeld, Politik und Gesellschaft.

20.01.2018
Signatur von Schwester Helga Erhardt (Foto Diakonie)
Von Schwester Helga Erhardt finden sich kein Eintrag in Wikipedia und keine "likes" im Internet

Dieser Tage ist Schwester Helga Erhardt verstorben. Von ihr finden sich kein Eintrag in Wikipedia und keine „likes“ im Internet. Sie war niemand, auf den das Licht der Öffentlichkeit gefallen wäre. Trotzdem gehört sie zu den die Evangelische Kirche und die österreichische soziale Landschaft prägenden Persönlichkeiten der 2. Republik.

Da könnte man vieles aufzählen, bei dem sie zuerst als Gemeindeschwester und dann Stellvertreterin des Direktors der Diakonie Österreich mitgewirkt hat, das heute noch Bestand hat: die Einführung des Pflegegelds, des Freiwilligen Sozialen Jahres oder des Zivildienstes.

Sie hatte die Gabe, andere zum Leuchten zu bringen.
Michael Chalupka

Doch sie, die nie im Lichte der Öffentlichkeit stand, zeichnete etwas anderes aus: Sie hatte die Gabe, andere zum Leuchten zu bringen. Aus ihr strahlte ein sanftes Licht, das aus Zuversicht, Vertrauen und ihrem Glauben seine Energie bezog.

Ich bin überzeugt, Schwester Helga ist nicht die letzte ihrer Art. Es lohnt sich, bei aller Faszination, die die Lichtgestalten ausstrahlen, den Blick auch denen zuzuwenden, die Licht und Kraftquelle für andere sind.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".