Kein Einzelfall!

Lernen mit leerem Bauch?

Die Stadtdiakonie Wien wurde vor 5 Jahren zunehmend mit folgender Situation konfrontiert: Kinder, die um 12 Uhr am Vormittag seit 4 Stunden in der Schule sitzen und sich nicht konzentrieren können.

17.04.2015
Kleiner Bub schmiert sich ein Butterbrot

Sie haben seit gestern Abend nichts mehr gegessen. Nicht weil Sie nichts essen wollten, sondern weil es nichts zu essen gegeben hat. - Ihr Magen knurrt und ihre Gedanken kreisen nur mehr ums Essen. Was da vorne an der Tafel vor sich geht, was der Lehrer erzählt, wird immer unwichtiger...

So sieht die Realität für viele Schulkinder in Wien aus. Die Eltern dieser Kinder sind wegen ihrer schwierigen sozialen und psychischen Situation oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Kinder auch nur mit dem Nötigsten zu versorgen.

Mehr als 5% der österreichischen Bevölkerung leben in akuter Armut. Von der Armut ihrer Eltern am schlimmsten betroffen sind die rund 127.000 Kinder und Jugendlichen. Der finanziellen Armut folgen belastende Wohnbedingungen, gesundheitliche Probleme, chronischer Stress und Einsamkeit.

Dem will das Projekt „Lernen mit leerem Bauch? – Geht nicht!“ entgegenwirken.

Jedes Kind in unseren vier Projektschulen in Wien soll sich einmal am Tag satt essen können

betont Jitka Zimmermann, Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien. „Es geht darum, die Konzentration und Aufnahmebereitschaft der Kinder im Unterricht zu steigern, den Umgang mit Lebensmitteln lernen und das soziale Verhalten untereinander zu verbessern“. Wichtig ist, dass unser Angebot von allen Schulkindern in unseren Projektschulen angenommen werden darf. „Ist eine Schule in das Projekt aufgenommen, ist es egal ob die Kinder bedürftig sind oder nicht. So ist gewährleistet, dass niemand aus Scham der Mahlzeit fern bleibt“, so die Projektverantwortliche der Diakonie.

Penny Markt Österreich unterstützt seit dem Schuljahr 2013/2014 das Projekt „Lernen mit leerem Bauch?“, das in Wien bereits seit 3 Jahren läuft, und ermöglicht die Versorgung der fünf Schulen mit Lebensmitteln. Ines Schurin, Penny-Pressesprecherin freut sich, dass PENNY in diesem Projekt täglich im Durchschnitt 180 Kinder und Jugendliche dabei unterstützen kann, bessere Chancen für die Zukunft zu bekommen. „Mit unseren hochwertigen Lebensmitteln können wir Freude am Umgang mit Nahrung und am Lernen fördern. Das ist uns ebenso wichtig, wie das gemeinsame regelmäßige Essen als Teil des Alltags zu unterstützen“, betont Schurin.

Und dieser zweite, der soziale Aspekt der gemeinsamen Mahlzeit war von Beginn an im Projekt ebenso wichtig wie das Essen selbst. Deshalb werden die Mahlzeiten von den Kindern auch gemeinsam zubereitet. Lehrerinnen und Lehrer verarbeiten gemeinsam mit den SchülerInnen die vorhandenen Lebensmittel. Dabei findet ein Austausch statt und neben dem Essen kommen auch andere Themen zur Sprache. So meint z.B. der elfjährige Moritz: „Ich komme gerne am Nachmittag zum Essen her, weil ich da auch immer jemanden zum Reden habe“. Denn zu Hause sei er immer alleine.

Für viele Kinder ist es das erste Mal, dass sie den Umgang mit frischen Lebensmitteln lernen

schildert Angelika Fürst, Lehrerin im SPZ Lorenz Kellnergasse ihre Eindrücke vom gemeinsamen Zubereiten der täglichen Mahlzeit. „Manche Kinder haben noch nie einen Paprika roh gegessen. Und dass man Lebensmittel nach dem Essen im Kühlschrank weiter aufbewahren kann, ist auch manchen neu“. So erlernen die Kinder praktisch und sozusagen „nebenbei“ Vorratshaltung und nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. Saisonale Ernährung und keine Verschwendung von Lebensmitteln ist hier selbstverständlich.

Wesentlich ist dabei auch das gemeinsame Tischdecken und miteinander Aufräumen am Schluss. Die Kinder genießen die gemeinsame Mahlzeit und das gemeinsame Tun, das sie dem oftmals leeren Zuhause vorziehen.

Die tägliche Möglichkeit, sich satt essen zu können hat in allen Schulen schon wesentliche Veränderungen ermöglicht: „Wir erleben die SchülerInnen jetzt entspannter und ruhiger und sie nehmen auch mehr Rücksicht aufeinander. Ich bin überzeugt davon, dass sich das regelmäßige Essen auch auf die Leistung der Kinder auswirkt und hoffe, dass das Projekt im nächsten Schuljahr fortgesetzt werden kann,“ so einer der betreuenden Lehrer.

Der tägliche Mittagstisch kostet unter 2 Euro pro Tag und Kind.

Die Initiatorin freut sich über die Unterstützung von Penny Markt Österreich, hofft aber auch auf weitere Sponsoren, um das Projekt für die nächsten Jahre absichern zu können. „Nichts ist schlimmer, als sagen zu müssen: Für das nächste Schuljahr ist kein Geld mehr da“, betont Jitka Zimmermann. „Nur wenn die Kinder sicher sein können, dass der Tisch jeden Tag gedeckt ist, bekommen sie Sicherheit und einen optimistischen Blick in die Zukunft“.

Die Stadtdiakonie Wien bittet um Spenden

unter dem Kennwort „leerer Bauch“:
IBAN AT13 3200 0002 0747 7417
BIC RLNWATWW