Von Gott und der Welt

Kein Kavaliersdelikt

Alice Schwarzer, bislang weithin anerkannte Stimme in der Wertediskussion unseres Nachbarlandes, hat es auf den Punkt gebracht.

08.02.2014
Euro- und Cent-Münzen, die auf einen Tisch liegen
Die Debatte um die Rechtmäßigkeit von Steuern ist alt. In der Bibel wird der Zehnte, werden Steuern als Mittel gesehen, einen sozialen Ausgleich herzustellen.

Nachdem bekannt geworden war, dass sie Steuern hinterzogen hatte und einer Bestrafung durch Selbstanzeige entgangen ist, meinte sie: „Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Steuerfehler aber, wie ich einen gemacht habe, kann man wieder gutmachen.“ Damit hat sie ausgedrückt, was wohl viele denken. Steuerhinterziehung ist ein Kavaliersdelikt. Ein Ladendieb, der seine gestohlene Ware, nach Jahren zurückbringt, hat mit weniger Verständnis zu rechnen, als eine Steuerhinterzieher, der den „Fehler wieder gut macht“.

Die Debatte um die Rechtmäßigkeit von Steuern ist alt. In der Bibel wird der Zehnte, werden Steuern als Mittel gesehen, einen sozialen Ausgleich herzustellen. Den Witwen, Waisen und Armen soll etwas von dem Reichtum zurückgegeben werden, der einem von Gott geschenkt worden ist. Zum anderen wurde Steuerverschwendung kritisiert, wenn sie nur den Luxus der Könige finanziert hat.

Steuerhinterziehung ist Diebstahl an der Gesellschaft. Und Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Die Ineffizienz der Staatsausgaben mag auch heute als Begründung dafür herhalten, warum man dem Staat nicht sein sauer verdientes Geld in den Rachen werfen möchte. Doch wer daran etwas ändern möchte, der muss sich politisch engagieren. Steuern zu hinterziehen ist kein legitimes Mittel des Protests. Steuerhinterziehung ist Diebstahl an der Gesellschaft. Und Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".

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