Von Gott und der Welt

Jesus auf der Flucht

„Wer klopfet an?“ Das Lied von der Herbergssuche der Heiligen Familie wird dieser Tage wieder viel gesungen werden. Die Not der Flüchtlinge, die dieser Tage an die Türen Europas klopfen, gibt dem Lied eine besondere Aktualität.

19.12.2015
Eine Weihnachtskrippe mit Maria und Josef (Foto: Pixabay)

Wobei, wenn man genau hinschaut und nachliest, die Heilige Familie auf der Suche nach einer Unterkunft in Bethlehem nicht auf der Flucht war. Sie folgten, wie jeder, der die Weihnachtsgeschichte im Ohr hat, weiß, dem Gebot des Landpflegers Quirinius, dass jeder sich schätzen ließe. Sie waren auf dem Weg zu einer Volkszählung.

Doch das Flüchtlingsschicksal blieb Josef und Maria und dem Jesuskind nicht erspart. Wie das Evangelium des Matthäus berichtet, mussten sie vor dem Wüten des Königs Herodes nach Ägypten fliehen. Aus der Bibel wissen wir nicht mehr darüber, als dass sie solange in Ägypten blieben, bis ein Engel Josef vom Tod des Herodes berichtet und sie zur Heimkehr auffordert. Unter den Kopten, den Christen Ägyptens, werden allerdings viele Traditionen über die Flucht Jesu bewahrt. 3 Jahre und 11 Monate soll die Flucht gedauert haben. Das einzige, was man ahnen kann, ist, dass sie nicht überall freundlich aufgenommen wurden. Denn die vielen Klöster und Kirchen, die an den Aufenthalt der Heilgen Flüchtlingsfamilie erinnern, sind meist über Höhlen und Grotten außerhalb der Dörfer gebaut.

Aber warum sollte es Gott anders als den Menschen ergangen sein, als er sich entschloss, Mensch zu werden unter den Menschen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.