Von Gott und der Welt

Ja und Nein

Schwierig ist das Politikerleben. Ständig wird man etwas gefragt, muss Auskunft geben und Antworten. Nach der großen Tragödie im Mittelmeer, nach dem Ertrinken hunderter Menschen war es besonders schlimm. Was sollte man dazu sagen?

09.05.2015
Michael Chalupka spricht bei einer Kundgebung der Kampagne  „Mir wurscht“
Die Kampagne „Mir wurscht“ setzt sich für eine Erhöhung der Auslandshilfe ein.

Betroffen schweigen, sich vorschneller Versprechen enthalten – das verbietet sich Politikern, von ihnen werden Antworten erwartet. Von Kanzler und Vizekanzler abwärts haben alle geantwortet, und alle haben sie das Naheliegende gesagt: „Wir müssen vor Ort helfen.“ In den Herkunftsländern müsse geholfen werden, damit die Menschen nicht ihr Heil in der Flucht suchen.

Nun weiß aber jeder, dass in Europa kaum jemand weniger hilft und in die Entwicklungszusammenarbeit investiert als Österreich. Nur Länder wie das marode Griechenland bringen noch weniger auf.

So sagen unsere Regierungschefs einmütig und gleichzeitig: „Ja, wir wollen helfen“, und „Nein zu mehr Geld für die Hilfe“.

So sagen unsere Volksvertreter also einmal Ja: Ja, den Menschen soll vor Ort geholfen werden. Dann sagen sie aber Nein: Nein zu mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit. Denn im neuen Finanzrahmengesetz steht, dass es noch weniger Geld für die Hilfe vor Ort geben wird . Das soll im Mai beschlossen werden. So sagen unsere Regierungschefs einmütig und gleichzeitig: „Ja, wir wollen helfen“, und „Nein zu mehr Geld für die Hilfe“. Dabei steht in der Bibel: „Euer Ja sei ein Ja und Euer Nein ein Nein.“ Alles andere ist von Übel.

Wenn ein Ja ein Ja ist und ein Nein ein Nein, dann kennt man sich aus. Aber so einfach scheint das Politikerleben nicht zu sein.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".