Nothilfe für Flüchtlinge in Griechenland

Information als Schlüssel in Idomeni und anderswo

„Are you from Germany?“ Wo immer ich hingehe, stellt man mir diese Frage. Diese Frage ist die erste in einer Reihe von Fragen.

15.04.2016
Markus Koth spricht mit Flüchtlingen in Idomeni (Foto: Thomas Lohnes DKH)
Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft bei der Versorgung der Flüchtlinge in Idomeni (Foto: Thomas Lohnes DKH)

Von Markus Koth, Projektkoordinator für die Diakonie Katastrophenhilfe Deutschland in Griechenland

Mal voller Hoffnung, mal voller Sorge und Not kommen die Menschen auf mich zu, schließen sich andere an, wenn sie sehen, dass ich bereit bin so gut es geht zu antworten.

Die dringlichste Frage ist zumeist die, ob sich die Grenzen wieder öffnen. Eine Frage, die ich mit einem deutlichen „no“ beantworte, da ich es für wichtig halte, den Menschen die Wahrheit zu sagen und ihnen keine falschen Hoffnungen zu machen. Ebenso wie die Frage natürlich logisch erscheint, schließlich ist genau diese Hoffnung der Grund, warum so viele Menschen in Idomeni und andernorts so lange unter schlimmsten Bedingungen ausharren, überrascht sie aber auch immer wieder. Sie überrascht, weil sie für uns so klar zu sein scheint, dass man meint, dies gälte auch für die Flüchtlinge. Schließlich wurde die Antwort bereits auf so vielen Kanälen bekanntgegeben und zudem kürzlich ja auch durch das EU-Türkei Abkommen manifestiert.

Gerüchte bringen Chaos

Doch leider scheinen dieser Tage nicht alle diese Nachricht zu teilen bzw. zu verbreiten. Vielmehr werden immer wieder auch gegenteilige Gerüchte gestreut. Teils wohl unbewusst bzw. nicht böswillig, wenn hochrangige deutsche Politiker öffentlich vorschlagen, dass man doch humanitäre Kontingente aus Idomeni aufnehmen sollte, um dort die Situation zu verbessern. Teilweise aber wohl auch absichtlich, wenn persönliche Interessen, z.B. von Schmugglern, die Interessen der Hilfesuchenden überlagern. Diese Schmuggler haben kein Interesse daran, dass sich Idomeni auflöst, sondern sie verdienen daran, dass die Geduld der Menschen nachlässt und sie sich auf zwielichtige und teure Geschäfte einlassen. Neue Routen über Albanien werden bereits genutzt.

  • Zelte, die von Flüchtlingen bewohnt werden, auf einem griechischen Bahnhof (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Das "Schließen" der Balkanroute führte ab Anfang März zu einem Rückstau beginnend an der griechisch-mazedonischen Grenze. Mehr als 54.000 Flüchtlinge leben in offiziellen und inoffiziellen Camps (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
  • Zwei Kinder blicken in die Kamera (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Zahlreiche Familie sind nach der Schließung der "Balkanroute" in Griechenland gestrandet. (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
  •  Ein Porträt von Markus Koth (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Markus Koth ist für die Diakonie Katastrophenhilfe Deutschland als Projektkoordinator in Griechenland tätig. (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
  • Eine Mann kocht in großen Töpfen Suppe (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Die Diakonie Katastrophenhilfe versorgt Flüchtlinge auf dem griechischen Festland mit Nahrungsmitteln, Wasser und Hygienepaketen.(Foto: Thomas Lohnes/DKH)

Falsche Hoffnungen

Falsche Hoffnung wecken aber auch die, die der Meinung sind, dass man nur genügend Druck aufbauen müsse, damit den europäischen Regierungen nichts anderes mehr übrigbliebe als die Grenzen wieder zu öffnen. Sie verteilen Flugblätter, rufen ihre Parolen und missbrauchen die Flüchtlinge zum Teil für ihre eigene Agenda, von der diese nichts verstehen. Mit vermeintlich guten Absichten diskreditieren sie dabei jedoch auch hunderte Freiwillige, ohne deren Engagement und Unterstützung die Versorgung der Menschen kaum möglich wäre und die nun fälschlicherweise unter Generalverdacht gestellt werden.

Schlimmer aber ist noch, dass sie damit auch die in Gefahr bringen, denen sie vorgeben, helfen zu wollen: Einen fatalen Aufruf dazu, den Grenzzaun zu Mazedonien in einem weiten Bogen zu umgehen, da man nicht gestoppt werden könne, wenn man nur in großen Zahlen ginge, bezahlten drei Menschen mit ihrem Leben, als sie Mitte März in einem Grenzfluss ertranken.

Dass nun Tränengas und Gummigeschosse gegen Hilfesuchende eingesetzt werden, muss in aller Deutlichkeit verurteilt werden - dies stellt einen weiteren für Europa unwürdigen Höhepunkt dar. Dass Flüchtlinge aber zum Teil von externen Gruppen oder Individuen zu Demonstrationen und provokanten Aktionen aufgerufen werden, sollte man jedoch beinah ebenso kritisch erwähnen. Bilder von Steine werfenden Flüchtlingen helfen der Situation ebenso wenig wie es Tränengas und Gummigeschosse tun. Auch hier wird eine überwältigende Mehrheit friedlicher Menschen durch eine kleine Gruppe diskreditiert und Ängste vor Zuwanderung in Deutschland, Österreich oder anderswo werden durch diese Szenen weiter geschürt.

  • Ein Flüchtling blickt durch einen Grenzzaun (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Viele Flüchtlinge in Griechenland sind nach Monaten des Wartens noch nicht registriert und haben keinen Termin für ein Erstinterview im Asylverfahren.(Foto: Thomas Lohnes/DKH)
  • Polizei und Flüchtlinge treffen bei einem Grenzzaun aufeinander. (Foto: Thomas Lohnes/DKH)
    Dass nun Tränengas und Gummigeschosse gegen Hilfesuchende eingesetzt werden, muss in aller Deutlichkeit verurteilt werden - dies stellt einen weiteren für Europa unwürdigen Höhepunkt dar. (Foto: Thomas Lohnes/DKH)

Informationshoheit zurückgewinnen

Um all denen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die aus vermeintlich edlen oder aber auch bewusst verwerflichen Gründen versuchen, den Status Quo in Idomeni zu erhalten, bedarf es stattdessen offener, ehrlicher und umfassender Informationen.

Einen Schritt in diese Richtung geht die griechische Regierung, die ihrerseits Flyer verteilt und über ihre Pläne aufklärt. Zudem wurde auch eine neue Online-Plattform gestartet, die über das Asylrecht aufklären soll (http://asylo.gov.gr/en/). Dabei gilt es zunächst das Vertrauen der Menschen zurück zu gewinnen, die zuletzt zu oft enttäuscht wurden.

Ihren Teil dazu beitragen Flüchtlinge besser zu informieren möchte auch die Diakonie Katastrophenhilfe: Mit  ihrem lokalen Partner EMT arbeitet sie an einem Projekt, Flüchtlinge im Norden Griechenlands besser zu informieren, u.a. über die aktuelle Situation, über mögliche Perspektiven und vor allem auch über ihre Rechte. Neben der lebenswichtigen Versorgung mit Mahlzeiten, Unterkunft und warmer Kleidung sind ehrliche Informationen entscheidend, um die Situation der Menschen zu verbessern und zu verhindern, dass sie sich auf neue gefährliche Wege in die Hände von Schleppern begeben.

Diakonie leistet Nothilfe in Griechenland

Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner vor Ort versorgen die Flüchtlinge mit warmen Mahlzeiten, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikeln, um die größte Not zu lindern. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende und setzen mit uns ein Zeichen für die Menschlichkeit. Unterstützen Sie uns dabei, dort Flüchtlingen Nothilfe zu leisten, wo die Not am größten ist.

Diakonie Katastrophenhilfe
IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333
BIC: GIBAATWWXXX

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