Von Gott und der Welt

Imagine

„Stell dir vor, es gäbe keine Länder mehr, das ist nicht schwer, nichts für das man töten oder sterben müsste, und auch keine Religion mehr. Stell dir vor, alle Menschen leben ihr Leben in Frieden“, so hat John Lennon gesungen, in einer Strophe von „Imagine“.

10.01.2015
Logo der Solidaritäts­bekundung „Je suis Charlie“

Diese Textzeile ist vielen eingefallen angesichts des grauenvollen Mordens an den Journalisten von Charlie Hebdo und den sie bewachenden Polizisten. Der Song wurde oft in den Sozialen Medien geteilt, um im Grauen, seinen Hoffnungen Ausdruck zu geben. Angesichts der Bilder kaltblütiger Schlächter, die „ihren“ Gott anrufen, während sie Menschen töten, ist der Wunsch nach einer Welt ohne Gewalt und ohne Religion verständlich. Allzu oft haben Menschen im Namen eines Gottes gemordet, gebrandschatzt, Leben vernichtet. Sie haben ihren eigenen kleinen Popanz, ihre eigenen Ängste und Engstirnigkeiten zu einem Götzen aufgebaut, sich selbst zu Göttern gemacht, die über andere richten und über Leben und Tod entscheiden dürfen.

Religionen aber, die darum wissen, dass das Leben ein heiliges Geschenk ist und der Mensch nicht das letzte Maß und Richter über Gut und Böse ist, werden umso dringender gebraucht.

Eine solche rabiat gewordene, pseudoreligiöse Verbrämung der Niedertracht und Selbstüberschätzung braucht niemand. Religionen aber, die darum wissen, dass das Leben ein heiliges Geschenk ist und der Mensch nicht das letzte Maß und Richter über Gut und Böse ist, werden umso dringender gebraucht. Die abrahamitischen Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam wissen darum und müssen sich dagegen wehren, wenn der Name Gottes missbraucht wird.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".