Es braucht viel Ausdauer, Motivation und Standfestigkeit, wenn junge Flüchtlinge zu Bildung und Ausbildung kommen möchten.

„Ich will nicht einfach nur Geld nehmen, ich will etwas beitragen.“

Junge Flüchtlinge möchten lernen, arbeiten und in Frieden leben. Doch ein Schulbesuch oder gar eine Lehrstelle sind mit vielen bürokratischen Hürden und langem Warten verbunden.

12.12.2017
Regeln des Zusammenlebens in der Wohngemeinschaft
Wir wollen lernen und arbeiten. Wir wollen Kontakt mit Österreichern. Wir wollen etwas beitragen. (Foto: Nadja Meister)

Der 17-jährige Ahmad aus Afghanistan hat subsidiären Schutz erhalten. In schon gutem Deutsch zählt er auf, wo er bereits als Aushilfskellner Praxis gesammelt hat: „Im Altersheim, Im Design Center, im Rosengarten am Pöstlingberg, bei Schuhbeck’s Teatro.“  Die Aushilfsstellen hat er mithilfe seines Betreuers gefunden. Ahmed hat Glück gehabt, denn seit August hat er eine Lehrstelle als Restaurantfachmann im Ox Steaks & Grill in der Plus-City.

Ein Betreuer hat mir hier gezeigt, wie ich Teller halte und von welcher Seite ich serviere.

Er hat mir auch beigebracht, wie ich Bestellungen aufnehme. Wegen meiner Praxis habe ich die Stelle bekommen. Trotzdem war es anfangs extrem schwer für mich.“

„Wir erleben eine absurde Situation“ beschreibt Leiterin Christine Stöckler, Leiterin des UMF-Wohnprojektes: „Auf der einen Seite gibt es Betriebe, die vor allem in den Mangelberufen dringend Lehrlinge suchen. Auf der anderen Seite leben bei uns Jugendliche, die sich nichts sehnlicher wünschen, als eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz. Eine Beschäftigungsbewilligung für einen Asylwerber zu erhalten nimmt aber in Österreich viel Zeit in Anspruch und ist mit so vielen bürokratischen Hürden verbunden, dass viele Betriebe aufgeben und Jugendliche den Mut verlieren.“

Mohammed ist 18 Jahre und wohnt in der WG für junge Erwachsene.

Er ist überglücklich, weil er nun eine Lehre als Koch beginnen kann. Sein Lehrbetrieb musste zwei Monate warten, bis das Bewilligungsverfahren abgeschlossen war. Einem Friseurbetrieb hat das Verfahre zu lange gedauert. Für Kamran (18 Jahre) beginnt die Suche wieder von vorne. Ahmed bringt auf den Punkt, wie es vielen Jugendlichen geht: „Ich will nicht einfach nur rumsitzen und Geld nehmen. Ich will lernen und arbeiten. Ich will Kontakt mit Österreichern. Ich will etwas beitragen.“

„Hier betreuen wir Jugendliche, die erstmals in ihrem Leben in einem friedlichen Land sind. Sie wollen aktive Mitglieder der Gesellschaft werden. Österreich wäre gut beraten, den Jugendlichen ihre Zeit hier sinnvoll nützen zu lassen und Integration zu ermöglichen statt zu erschweren. Jugendliche brauchen Schulbildung, strukturierten Unterricht und Freizeitangebote, in denen sie mit Österreichern in Kontakt kommen. Aber sogar Freiwilligenarbeit oder Praktika sind mit großem Aufwand verbunden.“

Ahmed hat gerade seine nächste Hürde geschafft, denn sobald er 18 Jahre alt ist, muss er aus dem Wohnprojekt ausziehen. Mit Hilfe seiner Arbeitskollegen hat er eine kleine Wohnung gefunden. Jetzt heißt es viel arbeiten, damit er sich die Wohnung leisten kann.

Fakten zur beschriebenen Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF)

  • 20 Jugendliche im Alter von 14 – 18 Jahren
  • 4 junge Erwachsene in einer Übergangswohnung

Herkunft: Afghanistan, Nigeria, Somalia

Bildung: 3 Jugendliche gehen in eine "Übergangsklasse", 2 besuchen die Pflichtschule, 5 sind in Klassen einer Fachschule der HWLB, 2 besuchen einen Hauptschulabschlusskurs; alle weiteren besuchen Basisbildungskurse bzw. Deutschkurse

Ausbildung: ein Jugendlicher macht eine Lehre zum Restaurantfachmann, einer zum Koch. Zwei Jugendliche suchen Lehrstellen als Friseur und als Koch

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

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Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.