Freiwillig für Geflüchtete

Ich gehöre zur Familie

Renate Holzer-Söllner hatte schon immer ein Herz für andere Menschen. Seit über zwei Jahren engagiert sich die 64-jährige Sozial- und Spielpädagogin als Freiwillige Mitarbeiterin des Diakonie Flüchtlingsdienstes für Menschen auf der Flucht.

04.06.2018
Seit zwei Jahren begleitet Renate Holzer-Söllner (rechts) Familie Rahmani* im Alltag.

„Eigentlich begann alles mit einer Schultaschenaktion im St. Pöltner Rathaus“, erzählt Renate Holzer-Söllner.

Bei einer Veranstaltung anlässlich des beginnenden Schuljahres wurden Schultaschen, die mit Heften, Blöcken, Stiften, Malfarben und vielem mehr befüllt waren an Flüchlingskinder übergeben. Als die feierliche Übergabe zu Ende war, kamen einige Familienväter der beschenkten Kinder auf sie zu und luden sie als Zeichen des Danks kurzerhand zu sich nach Hause ein. „Sie wollten auch etwas zurückgeben und haben meinen Mann und mich auf einen Tee eingeladen.“ Dieses offene gastfreundliche Verhalten war der Anfang eines gemeinsamen Weges, der nun schon seit über zwei Jahren andauert und sich stetig vertieft hat.

„Damals lernte ich auch die Familie Rahmani* kennen. Die 6-köpfige Familie musste aus Afghanistan fliehen. Der Vater, ein Sohn und ein Schwiegersohn sind ums Leben gekommen. Die Familie hat viel durchmachen müssen, bis sie in Österreich in Sicherheit waren“, schildert die engagierte Freiwillige.

Deutschlernen als Basis

 „Die Vermittlung der Sprache war mir von Beginn an besonders wichtig.  Dabei geht es aber nicht nur um Worte, ich wollte die Begriffe möglichst anschaulich vermitteln. Ich habe bemerkt, dass sie zwar lesen und schreiben können, aber den Sinn der Worte nicht verstehen. Wir haben daher gemeinsam sehr viel unternommen - sind z.B. im Frühling Palmkätzchen schneiden gegangen, haben dann Eier bemalt und den Strauch geschmückt. Dabei haben wir im Tun gelernt.“

Geduld und Verständnis sieht sie als wesentliche Voraussetzung für den manchmal langsamen Erfolg. Hier kommt der ausgebildeten Sozial- und Spielpädagogin ihre berufliche Erfahrung sehr zugute. „Umso größer ist dann die Freude, wenn man mit der Zeit die Fortschritte sieht“, schildert die 64-Jährige. Auch die anfänglichen Berührungsängste gegenüber dem Unbekannten sind Überwunden.

Gutes zu tun heißt, selbst glücklich zu sein.
Renate Holzer-Söllner

Gegenseitige Unterstützung im Alltag

Was sich für sie selbst verändert hat? „Ich bin zur Vertrauensperson in dieser Familie geworden. Sie teilen mit mir ihre Freude und Sorgen. Und was besonders schön ist, dass ich sehe, dass Hilfe keine Einbahnstraße ist. Als ich einmal krank war, stand die Familie mit gekochtem Essen vor der Tür, die Tochter hat sofort begonnen in der Küche wegzuräumen und mich zu unterstützen. Diese Erfahrung war ein unbeschreibliches Gefühl. Ohne viele Fragen mit dem Bus und allen Sachen zu kommen und einfach da zu sein. Das hat mir viel Kraft gegeben.“

Zukunftsängste

Die Hoffnung auf ein neues Leben in Schutz und Sicherheit schwindet aktuell jedoch. „Die Familie hat große Angst nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Aber Afghanistan ist nicht sicher. Die Familie hat das auf schreckliche Weise erfahren müssen. Ich versuche der Familie momentan zu sagen, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben soll und mache ihnen Mut, sich weiter zu integrieren und zu lernen. Jetzt bin ich es, die ihnen Kraft gibt. Gemeinsam werden wir diese schwere Zeit überwinden.“        

Empfehlen kann Renate Holzer-Söllner allen die Zeit schenken möchten, die Begleitung einer Familie in jedem Fall. „Denn Gutes zu tun heißt selbst glücklich zu sein“, ist ihr Resümee.

Wenn sie sich auch im Diakonie Flüchtlingsdienst einbringen möchten freuen wir uns auf ihre Kontaktaufnahme unter freiwillig@diakonie.at oder telefonisch bei Claudia Graf 0664/8273429.

Das Gespräch führte DSA Claudia Graf, Freiwilligenkoordination Wien und NÖ
-------------------------------------------------------------------------------
*Name der Familie geändert