Von Gott und der Welt

Hungerkünstler

Die Wüstenväter, die Asketen des frühen Christentums, hatten jede Art des Fastens und der Diät schon erfunden, bevor es Illustrierte gab, die uns pünktlich zur Fastenzeit mit Schlagzeilen wie „in 7 Wochen 10 kg weniger“ oder „im Schlaf zur Bikinifigur“ beglücken.

17.02.2018
Brokoli im Suppenlöffel (Pixabay)
Bleibt uns noch Zeit zum Gebet, dann können wir Gott auch dafür danken, wie er uns gemacht hat, und uns versöhnen mit dem oft ungeliebten Körper. (Foto: Pixabay)

Es gab Eremiten, die aßen vegan oder gar nur Früchte, die vom Baum gefallen sind. Sogar die Methode, nur jeden zweiten Tag zu essen, praktizierten die Asketen. Sie wollten sich durch das Essen nicht beim Gebet stören lassen und ein gottgefälliges Leben führen.

Außerdem hatten sie Angst, dass sich im Essen Dämonen verstecken könnten, die mit der Nahrung in den Körper gelangen. Eine archaische Vorstellung. Wer glaubt schon an Dämonen! Heute glauben wir, dass es die Fette sind und die Kohlenhydrate und der Zucker, in denen der Teufel steckt, der uns dick und krank macht. Die Dämonen haben neue Namen bekommen. Mit den alten Dämonen haben sie eines gemein: Sie wollen ausgetrieben werden.

Heute glauben wir, dass es die Fette sind und die Kohlenhydrate und der Zucker, in denen der Teufel steckt, der uns dick und krank macht. Die Dämonen haben neue Namen bekommen.

Doch moderne Diäten haben ein anderes Ziel als das Fasten der Wüstenväter. Fasteten diese, um zu beten und ein gottgefälliges Leben zu führen, so fasten wir heute der Fitness und Gesundheit wegen. Nun ist es sicher auch gottgefällig, den eigenen Körper gesund zu erhalten. Wer möchte, treibe sie also aus, die Teufelchen des Winterspecks. Bleibt uns noch Zeit zum Gebet, dann können wir Gott auch dafür danken, wie er uns gemacht hat, und uns versöhnen mit dem oft ungeliebten Körper.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".