Von Gott und der Welt

Hoffnungsträgerin

Sophia ist Flyer. Ich gebe zu, bevor ich sie kennenlernte, hatte ich keine Ahnung, was eine Flyer ist.

15.11.2014
Cover einer Diakonie-Broschüre mit dem Bild der jungen Sophia
Sophia ist Hoffnungsträgerin

Sophia hat es mir erklärt: "Ich bin im Cheerleader-Team. Dort bin ich Flyer. Ich bin manchmal ganz oben in der Pyramide, weil ich leicht bin und weil ich mich gut konzentrieren kann. So fall ich nicht runter. Ich schau einfach auf einen Punkt und denke an nichts. Ich weiß, dass die unten uns auffangen. So hab ich keine Angst, weil ich das gut kann."

Sophia weiß, dass sie sich auf die anderen verlassen kann. Sie hat ein tiefes Vertrauen. Das ist umso erstaunlicher, da Sophia vieles erlebt hat, das einem das Vertrauen nehmen kann. Sie ist zwölf. Mit neun musste sie mit ihrer Familie fliehen. Ihr Vater wurde politisch verfolgt. Nach den verschlungenen Wegen ihrer Flucht ist sie zuerst in Scheibbs gelandet. Dort war es schön. Ihre Augen strahlen, wenn sie von den Lehrern ihrer Volksschule erzählt, von den Freunden, die ihr geholfen haben, in sechs Monaten Deutsch zu lernen, die sie in die Gemeinschaft aufgenommen haben.

Vertrauen kann man verlieren. Vertrauen kann man aber auch wiedergewinnen, wenn einem Vertrauen geschenkt wird. Sophia ist noch nicht lange da, doch jetzt ist schon klar, sie ist ein Gewinn für Österreich. Sie ist eine Hoffnungsträgerin. Hoffnungslos war sie nie, auch während der schwierigen Flucht nicht, denn, so sagt sie, dass würde ihre Mama nie erlauben.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.