Von Gott und der Welt

Hoffnung wecken

Es geht um die Burschen, mit den „denkbar schlechtesten Aussichten“ hat der Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern formuliert, als er im vorigen Jahrhundert in Hamburg das Rauhe Haus gründete, in dem Burschen aus den Elendsvierteln der Hafenstadt Schulbildung und eine Ausbildung erhielten. Dort ist auch der erste Adventkranz gehangen, der Teil der Lebensbildung war, den die Jugendlichen wussten auch nichts von den Festen im Jahreskreis.

21.11.2015
Adventkranz mit 28 Kerzen nach Johann Hinrich Wichern

Das Rauhe Haus war ihre einzige Chance. Entweder schafften sie es dort, oder ihr Weg in Kriminalität und Gewalt war vorgezeichnet. 

Heute gibt es solche Institutionen auch im Brüsseler Stadtteil Molenbek, im Pariser Saint-Denis, im Berliner Neukölln, an den absoluten sozialen Brennpunkten. Und eines verbindet diese Institutionen mit dem Rauhen Haus vor über 170 Jahren. Solche Institutionen ringen immer ums Geld, sind unterfinanziert und kommen immer zu spät, immer dann, wenn die Probleme groß sind und die Gesellschaft sehr spät erkennt, dass man dort etwas tun muss.

Wenn in den nächsten Woche die Tradition des Adventkranzes, wie er im Rauhen Haus erfunden worden ist, um junge Männer wieder in die Gesellschaft zurückzuholen, in unseren Wohnzimmern auflebt, dann erinnert uns das Licht der ersten Kerze daran, dass es sinnvoll ist keinen jungen Menschen aufzugeben, um ihn ihm die Hoffnung, das Positive für die Gesellschaft, zu wecken, und nicht die Blumen des Bösen blühen zu lassen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.