Kurzportraits von Flüchtlingen

Hoffnung und Bangen - Alltag im Flüchtlingscamp Principovac

Seit der Schließung der Balkanroute ist die Anzahl der Flüchtlinge, die sich auf den Weg in die europäische Union machen, stark zurückgegangen. Eine Einreise auf legalem Weg ist nicht mehr möglich.

05.04.2017
Flüchtlinge in einer Notunterkunft in Serbien
Das Kinderkrankenhaus in Principovac ist zur Unterkunft für rund 250 Flüchtlinge umfunktioniert worden. (Foto: Ben Nausner)

In der Hoffnung auf Asyl und eine Zukunft in Europa begeben sich Menschen trotz der Gefahren in die Obhut von Schlepperbanden, die längst neue Routen über Bulgarien und Albanien gefunden haben. Missbrauch, Ausbeutung und skrupelloser Umgang mit der Notsituation der Menschen sind die Folge. Für einen Großteil der Flüchtlinge, die es nach der gefährlichen Flucht bis an die Außengrenze der europäischen Union schaffen, bleibt Serbien die vorläufige Endstation ihrer Reise. So auch im Kinderkrankenhaus in Principovac nahe der serbisch-kroatischen Grenze. Das ehemalige Hospital für Kinder ist vor ein paar Monaten zu einer Unterkunft für rund 250 Flüchtlinge umfunktioniert worden. Statt Krankenbetten stehen jetzt bis zu acht Stockbetten in einem Zimmer und sind Schlafplatz für Kinder, Frauen, Jugendliche und Männer aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Marokko. Für die Menschen, die hier leben ist Principovac seit Monaten die vorläufige Endstation ihrer Flucht.

Daran glauben will aber niemand so recht. Zu groß waren die Anstrengungen, um bis nach Serbien zu kommen. Die Hoffnung ist groß, in den kommenden Wochen weiterreisen zu können und um Asyl in Ländern wie Deutschland oder Österreich anzusuchen. Viele haben bereits Familie oder Verwandte vor Ort, die auf sie warten. Raum für Privatsphäre gibt es im Flüchtlingscamp kaum. Eng gedrängt stehen die Stockbetten in den Zimmern im Haupthaus und den zwei Großraumzelten die neben dem Krankenhaus errichtet wurden. Die lokale Partnerorganisation der Diakonie unterstützt die Menschen hier mit Gutscheinkarten, damit sie sich im nahegelegenen Dorf mit dem Nötigsten versorgen können. Ihre Geschichten und Erlebnisse von der Flucht sind verschieden. Was sie verbindet: Sie alle haben den langen Weg auf sich genommen in der Hoffnung auf eine sichere Zukunft für sich und ihre Kinder.

Ein Krankenhaus als Flüchtlinsgcamp

Mutter und Kind im  Camp Principovac
Seit fünf Monaten lebt die Familie in einem Flüchtlingscamp in Serbien. (Foto: Ben Nausner)

Hejrat ist 6 Monate alt. In seinem jungen Alter hat er schon vieles miterlebt. Er ist eines von unzähligen Kindern, die auf der Flucht nach Europa zur Welt gekommen sind. Seine Familie ist in der Hoffnung auf einen Neuanfang aus Afghanistan nach Europa geflohen. „Wir wollten nur eine sichere Zukunft für unsere Kinder haben“, erzählt der Vater von Hejrat. Im Bauch seiner Mutter hat er die Flucht miterlebt und ist in Griechenland zur Welt gekommen.  Seit fünf Monaten leben sie jetzt in einem Flüchtlingscamp in Serbien. Ihr kleines Zimmer teilen sie mit zwei anderen Familien. Hejrat ist in Europa geboren; auf die Frage, ob er mit seiner Familie hier auch in Zukunft leben darf gibt es aber noch keine Antwort. 

Ein Mann steht angelehnt an einer Wand.
In seiner Heimat Aserbaidschan war der 24-jährige Reza nicht mehr sicher und musste fliehen. (Foto: Ben Nausner)

„Wenn du nur daran glaubst, dann kannst du alles schaffen“, erzählt der 24-jährige Reza. In seiner Heimat Aserbaidschan war er nicht mehr sicher und musste fliehen. Er träumt von einem besseren Leben und einer sicheren Zukunft in Deutschland. Dass ein Flüchtlingscamp in Serbien, nur ein paar Meter Luftlinie von der EUAußengrenze die Endstation seiner Flucht sein, soll glaubt er nicht. Um das Erlebte zu verarbeiten hat er begonnen Hip-Hop Texte zu schreiben. Für Reza ist es ein Ventil – so kann er seine Stimme für all jene erheben, die wissen was es bedeutet, auf der Flucht und aus der Heimat vertrieben zu sein. „Ich gebe nicht auf und glaube fest an mich. Ich will lernen und möchte mich in die Gesellschaft einbringen“, sagt Reza und ergänzt: „Es ist doch verschwendete Zeit, wenn ich hier nur herumsitze und nichts tun darf“.

Unterstützen Sie die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe

Wir arbeiten eng mit lokalen Partnerorganisationen in Serbien zusammen und unterstützen so die neuankommenden Flüchtlinge. Dabei geht es in erster Linie um die Not-Versorgung in den Flüchtlingscamps. In den kommenden Wochen sind noch weitere Hilfsmaßnahmen geplant.

Spenden für warme Mahlzeiten und Hygienepakete sind dringend gebraucht!