Flüchtlingshilfe in Jordanien

Hoffnung schöpfen nach Jahren auf der Flucht

Besuch in einem Gemeinschaftszentrum für syrische Flüchtlinge im Armenviertel von Amman in Jordanien.

07.12.2017

Dicht gedrängt stehen die Wohnhäuser auf den Hügeln von East Amman. Der Großteil ist baufällig. Bröckelnder Putz, von außen sichtbare Wasserflecken und Löcher in der Fassade lassen den desaströsen Zustand der Wohnungen im Inneren nur erahnen. Der Stadtteil gilt als das Armenviertel der Millionenmetropole. Knapp 150.000 syrische Flüchtlinge haben sich seit Beginn des Krieges in der Nachbarschaft von East Amman angesiedelt.

  • Ein syrisches Kind blickt auf die zerbombte Stadt (Foto: Christoph Püschner)
    Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach Syrien ist mittlerweile einer bitteren Realität gewichen. (Foto: Christoph Püschner)
  • Eine zerbombte Stadt in Syrien (Foto: Christoph Püschner)
    Die Welle der Gewalt findet in Syrien und dem Irak kein Ende. (Foto: Christoph Püschner)
  • Wohnhäuser auf den Hügeln von East Amman
    Dicht gedrängt stehen die Wohnhäuser auf den Hügeln von East Amman (Foto: Ben Nausner)

Ihre Hoffnung auf baldige Rückkehr ist mittlerweile einer bitteren Realität gewichen. Viele Flüchtlinge sind seit nunmehr sechs Jahren in Jordanien. Aus ihrer Heimat konnten sie nicht viel mitnehmen und ihre Ersparnisse sind längst aufgebraucht. Eine Arbeitserlaubnis besitzen nur wenige und die Mietkosten sind hoch. Sie sind abhängig von humanitärer Hilfe. Hoffnung für die Zukunft gibt es an diesem Ort kaum.

Exkurs: Arbeitserlaubnis für syrische Flüchtlinge in Jordanien

Seit Beginn des kriegerischen Konflikts in Syrien 2011 haben sich insgesamt mehr als 650.000 syrische Flüchtlinge offiziell in Jordanien registrieren lassen. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass sich mehr als 1 Million Flüchtlinge im Land niedergelassen haben.
Erst Mitte 2016 wurde der jordanische Arbeitsmarkt für eine festgelegte Anzahl an syrischen Flüchtlingen geöffnet. Wurden bis zu diesem Stichtag syrische Staatsangehörige bei illegaler Arbeit gefasst drohte die Rückführung nach Syrien. Heute leben laut UNHCR mehr als 80% der Flüchtlingsfamilien in Jordanien unterhalb der Armutsgrenze und sind hochverschuldet.

Gemeinschaftszentrum als Ort der Hoffnung

Genau in dieses soziale Umfeld hat die Diakonie Katastrophenhilfe in Kooperation mit der lokalen orthodoxen Partnerorganisation International Christian Charities (IOCC) und mit Unterstützung der Nachbar in Not Stiftung ein „Livelihood Ressource Center“ errichtet.  

Tafel der IOCC
Vor Ort arbeitet die Diakonie mit der lokalen Partnerorganisation "International Christian Charities" zusammen

Es ist ein Gemeinschaftszentrum und eine Anlaufstelle für Anliegen der syrischen und jordanischen Familien in der Community. Berufstrainings, Beratungsgespräche, Aktivitäten für Kinder oder die Verteilung von Mietbeihilfe füllen seit Anfang August das Haus mit Leben. „Unser Zentrum ist ein Ort der Hoffnung,  weil die betroffenen Familien und ihre Anliegen immer  im Mittelpunkt stehen“, berichtet Raida Al Shadfan, Leiterin der Einrichtung und ergänzt: „Zuerst hören wir zu, versuchen ihre Bedürfnisse zu verstehen und dann schauen wir, wie wir ihnen bei der Lösung ihrer Probleme helfen können“.

Ausbildung als Grundstein für Neuanfang

Konkret ist so etwa eine Basisausbildung zum Elektriker für 15 Männer auf die Beine gestellt worden. Für die Teilnehmer, alle zwischen 17 und 46 Jahre alt, ist dies ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit. „Als die Teilnehmer für die Ausbildung das erste Mal bei uns im Zentrum waren, hatte ich das Gefühl, dass sie leer und antriebslos sind. Aber das hat sich rasch gewandelt, als sie gemerkt haben, dass sie erstmals wieder ihre Zukunft mitbestimmen können“, erzählt Raida. Der erste Kurs wurde erfolgreich im Oktober abgeschlossen.

  • 3 Männer, die eine Basisausbildung zum Elektriker machen
    15 Männer können im „Livelihood Ressource Center“ eine Basisausbildung zum Elektriker absolvieren (Foto: IOCC)
  • Zwei Männer im Elektriker-Ausbildungsprogramm
    Die Teilnehmer sind zwischen 17 und 46 Jahre alt (Foto: IOCC)

Die gelernten Fähigkeiten werden in den kommenden Wochen der Gemeinschaft zugutekommen. Baufällige Unterkünfte von syrischen und jordanischen Familien werden mit Hilfe der Kursteilnehmer rehabilitiert. In weiterer Folge wird ein Business-Plan mit jedem erstellt und eine Förderung für ihr Start-Up Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Jobbörse und weitere Aktivitäten in Planung

Ein weiteres Highlight ist eine für Anfang Dezember geplante Jobbörse. „Arbeitgeber und potentielle Arbeitnehmer sollen dort miteinander in Kontakt kommen. So wollen wir unser Programm noch weiter ausbauen. Die Nachfrage ist jetzt schon so groß, dass unsere eigenen Räumlichkeiten zu klein sind und wir in ein Kurszentrum des Ministeriums für Arbeit ausweichen müssen“, berichtet Loren Hyatt, Programmkoordinatorin von IOCC für Jordanien.
In den kommenden Monaten sind noch weitere Aktivitäten geplant. Für manche syrische und jordanische Familie in der Community ist das Zentrum schon jetzt eine wichtige Stütze beim Neuanfang geworden. „Wenn unsere Klient*innen das Zentrum mit einem Lächeln verlassen weiß ich, dass es für sie ein Ort der Hoffnung ist“, betont Raida.

Auf die Kälte vorbereiten – Vorsorge für den Winter

Der Wintereinbruch in Jordanien steht bevor. Die schlechte und vor allem im Winter unzureichende Wohnsituation der Flüchtlinge fordert jedes Jahr Menschenleben. Im Winter sind viele Haushalte nicht auf die eisigen Temperaturen und Schneefälle vorbereitet. Das Livelihood Center in East Amman ist auch hierfür eine Anlaufstelle geworden. An einzelne Familien werden Wertkarten verteilt, die sie in ausgewählten Geschäften individuell für nötige Hilfsgüter verwenden.

Mit Ihrer Spende können Sie syrischen Flüchtlingsfamilien über den Winter helfen!

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Über die Serie #OrtDerHoffnung

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Mit der Social-Media-Serie #OrtDerHoffnung macht die Diakonie auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.