Von Gott und der Welt

Harmonie und Gewissen

Wir Österreicher haben es gern harmonisch. Regierungen werden daran gemessen, wie die Stimmung ist. Sie werden gelobt, wenn alle einer Meinung sind, und getadelt, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt.

13.01.2018
Bibeltext Gewissen
Das christliche Gewissen bildet sich an und in Auseinandersetzung mit der Bibel

Einst stand sogar auf Wahlplakaten: „Genug gestritten!“. Doch auch die harmonischste Regierung, das beste Team besteht aus Menschen – aus einzelnen Menschen, die ihre Meinungen mitbringen und im besten Fall auch über ein Gewissen verfügen.

Das Gewissen, die innere Stimme, der innere Kompass, der anzeigt, was uns richtig und falsch vorkommt, hat seinen Grund nicht in Partei- oder Regierungsprogrammen, sondern in unsere Erziehung: in dem, was wir erfahren durften in Familie, Schule und Freundeskreis. Für Christinnen und Christen kommt noch das Lesen der Bibel dazu.

Das christliche Gewissen bildet sich an und in Auseinandersetzung mit der Bibel.
Michael Chalupka

Bei Martin Luther sehen wir, dass ein gut geprüftes Gewissen dazu führen kann, seine Entscheidung zu vertreten, auch wenn andere anderer Meinung sind.

Das Gewissen braucht, um zu einer Entscheidung zu kommen, auch die Auseinandersetzung mit anderen. Streit kann heilsam sein in Gewissensfragen. Harmonie ist angenehm, aber kein Wert an sich. Es wird nicht zum Schaden der Demokratie sein, wenn Politikerinnen und Politiker nicht nur der Inszenierung oder der Parteitaktik folgen, sondern auch auf ihr Gewissen hören.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".