Lokale Partner der Diakonie helfen, dass das Leben der Insel-Bewohner und der Flüchtlinge bewältigbar bleibt.

Griechenland: Flüchtlinge sitzen auf den Inseln fest

Ein dreitägiger Besuch bei lokalen Partnern der Diakonie Katastrophenhilfe in Griechenland hat uns viel Einblick in deren gute Arbeit gewährt. Eines ist dabei auch klar geworden: Griechenland ist in zweifacher Weise gezeichnet.

08.06.2016
Schwimmwesten, die auf einen Haufen am Boden liegen (Foto: Ben Nausner)

Einerseits durch die sozialen Folgen der Bankenkrise, zum anderen durch die Folgen der Sperre der Balkanroute. Es hat mich beeindruckt wie die Partnerorganisation der Diakonie, diese Herausforderungen annehmen. IOCC-Apostoli steht nun nach der Hilfe, die sie im Transit der Flüchtlinge geleistet haben, vor der Aufgabe den Flüchtlingen, die in Griechenland festsitzen, beizustehen. Was dabei nicht vergessen werden darf ist, dass die Versorgung der eigenen verarmten Bevölkerung, das Betreiben der Suppenküchen, das Verteilen von Nahrungsmitteln und Kleidung parallel dazu weitergehen müssen.

Idomeni ist geräumt - aber auch die neuen Camps sind kein guter Ort zum Leben

Auf dem Festland beginnt die Umsiedlung der Flüchtlinge aus den selbstorganisierten, wilden Camps wie in Piräus und Idomeni langsam zu greifen. Doch auch die neuen Camps entsprechen nicht den Bedingungen, die einem länger dauernden Aufenthalt entsprechen würden. Die Bedingungen sind oft noch chaotisch. Deshalb ist es umso erstaunlicher was im Zusammenspiel von NGO’s, Freiwilligen-Initiativen und staatlichen Behörden gelingt. Allen aber ist gemeinsam, dass sie sich von den anderen Mitgliedstaaten der EU weitgehend allein gelassen fühlen.

Auf den Inseln wie Chios mit seinem Hotspot hat der EU-Türkei-Deal zwar dazu geführt, dass viel weniger Flüchtlinge ankommen. Aber auch dazu, dass die, die da sind, auf den Inseln wie in einer Falle festsitzen. Die Registrierung und die Erstinterviews des Asylverfahrens gehen äußerst schleppend vonstatten. Im Hotspot leben die Asylwerber unter gefängnisähnlichen Bedingungen hinter Stacheldraht. Sie dürfen das Camp verlassen, allerdings nicht die Insel. Während BM Kurz nach Internierungslagern ruft, scheinen sie in Chios und Lesbos schon im Ansatz verwirklicht.

Was völlig fehlt, sind Schulplätze für Kinder. 30% aller Flüchtlinge sind Kinder. Keines geht in eine reguläre Schule.

Die Hilfe unserer Partnerorganisationen muss dringend ausgebaut werden. Neben der Basisversorgung braucht es den Zugang zu Schulbildung und den Ausbau der Rechtsberatung, da sonst selbst Rechte, die zu einer Entlastung der Situation führen würden, wie die Relocation in andere Länder der EU, nicht in Anspruch genommen werden können.