Von Gott und der Welt

Gottvertrauen

„Gottvertrauen“ ist aus der Mode gekommen. Es ist durch Sicherheit ersetzt worden.

25.09.2015
Mehrfach mit Schlössern abgesicherte Holztüre

Wir versuchen uns nach allen Seiten hin abzusichern. Schließen Versicherungen ab. Expertinnen und Experten tun alles um jeden Bereich des Lebens sicherer zu machen. Politiker versprechen uns mehr Sicherheit durch eine Sicherheitswacht in den Städten, oder eine bessere Grenzsicherung durch das Bundesheer. Unserer Nachbar Ungarn, glaubt für die eigene Sicherheit gar einen Zaun mit rasierklingenscharfem Nato-Stacheldraht zu brauchen.

Trotz all der Rede von der Sicherheit fühlen sich viele aber immer unsicherer. Das Vertrauen schwindet, dass Sicherheit so einfach herstellbar ist.

Und „Gottvertrauen“ ist aus der Mode gekommen. Gottvertrauen bedeutet nämlich auch in einem gewissen Maß mit Unsicherheit leben zu können. Nicht alles in der Hand zu haben, nicht alles selber regeln zu können und deshalb auch etwas riskieren zu können, von dem man nicht genau zu wissen meint, wie es ausgehen wird. Gott vertrauen, heißt sich nicht nur auf sich selbst verlassen zu müssen.

Manchmal blitzt sogar in der Hohen Politik noch ein wenig Gottvertrauen durch. Als Angela Merkel, die Pfarrerstochter aus dem Osten, angesichts der vielen Flüchtlinge in Deutschland gesagt hat: „Wir schaffen das!“ Da war auch ihr Gottvertrauen spürbar und das Wissen, dass ein Zaun nicht mehr Sicherheit bringt. Der Mut zum Gottvertrauen aber, die Gewissheit das Richtige zu tun.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.