Von Gott und der Welt

Gottes Nähe

„Gott nahe zu sein, das ist mein Glück!“, so lautet die Jahreslosung aus dem 73. Psalm, unter die die Evangelischen Kirchen das Jahr 2014 gestellt haben.

11.01.2014
Eine geöffnete Bibelstelle (Foto: Pixabay)
„Gott nahe zu sein, das ist mein Glück!“, so lautet die Jahreslosung aus dem 73. Psalm, unter die die Evangelischen Kirchen das Jahr 2014 gestellt haben. (Foto: Pixabay)

Gottesferne kann schmerzlich sein. Jesus selbst rief am Kreuz aus: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ Das Gefühl, von Gott verlassen zu sein, tut weh. Doch auch Gott nahe zu sein, wird in der Bibel als gefährlich beschrieben.

Moses musste sein Antlitz verhüllen, als sich ihm sein Gott offenbarte, zu intensiv war die Gottesbegegnung. Wer jemals Gebete von Frauen und Männer, die sich als vom Heiligen Geist ergriffen erfahren, miterlebt hat, weiß, dass die Nähe zum Heiligen den ganzen Körper erfassen und gewaltige Kräfte entfesseln kann.

Die Nähe Gottes zu spüren, das trägt, ein ganzes Jahr lang, ja ein Leben lang.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Die Losung, unter die das neue Jahr gestellt wird, spricht aber von der Nähe Gottes als Glück, als Freude, als Zuflucht und Trost. Der Beter des Psalms erlebt Gott als Freund, auf den man sich auch in schwierigen Zeiten verlassen kann. Da ist Gott keiner, dessen Nähe man sich erobern oder erkämpfen müsste, sondern der, der uns nahe gekommen ist, der in der Nächsten Nähe ist. So wie es Dietrich Bonhoeffer, der in einer Gefängniszelle der Nazi-Justiz seiner Hinrichtung entgegengesehen hat, in einem Gedicht ausgedrückt hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Die Nähe Gottes zu spüren, das trägt, ein ganzes Jahr lang, ja ein Leben lang.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".