Von Gott und der Welt

Gott vermissen

Der Advent, die Zeit der Erwartung, ist die Zeit, in der deutlich werden kann, was fehlt, wenn Gott fehlt.

03.12.2016
Kirchenfenster, das Johannes den Täufer bei der Taufe Christi zeigt
Von Johannes dem Täufer lernen wir, auf das Ankommen Jesu in der Welt zu warten. (Foto: pixabay)

Johannes der Täufer, der Rufer in der Wüste, ein radikaler Aussteiger, der nur vom wilden Honig lebt und mit einem rauen Gewand bekleidet ist, ist eine der wesentlichsten biblischen Figuren der Adventszeit, der Vorbereitungszeit auf das Kommen Gottes in die Welt. Er weist auf das Fehlen Gottes hin, er predigt die radikale Sehnsucht nach Erlösung, nach einem Loskommen von der Welt, der Welt, die ihm unerträglich geworden ist in ihrer Selbstbezüglichkeit und Selbstgefälligkeit. Ihm fehlt Gott. Johannes der Täufer ist der Prophet des Fehlen Gottes.

Die Erzählung von Johannes dem Täufer nimmt eine überraschende Wendung. Gott selbst wird zum Kind, kommt als Mensch in die Welt. Gott kommt nicht als allmächtiger Herrscher, als tobender Rächer, sondern als Mensch unter Menschen, als Mensch ohne alle Gewalt. Doch das ist eine andere Geschichte, sie wird zu Weihnachten erzählt. Im Advent wird vom wilden Gesellen Johannes dem Täufer berichtet.

Johannes der Täufer ist die sperrigste unter den Figuren der Vorweihnachtszeit, und doch ist er eine meiner Lieblingsfiguren, denn von ihm lerne ich, dem Fehlen Gottes nachzuspüren, auf sein Ankommen in der Welt zu warten.
Michael Chalupka

Gott im Getriebe der Welt zu vermissen, ist eine Glaubensübung. Sie fällt nicht immer leicht. Aber sich auf ein großes Ereignis vorzubereiten, ist nicht immer nur einfach.

„Von Gott und der Welt"

Die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung