Von Gott und der Welt

Gewissensnöte

„Die Liebe ist entscheidend.“

19.07.2014
eine rote Rose als Symbol der Liebe

„Die Liebe ist entscheidend.“ So begründet der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sein Versprechen, den Wunsch seiner krebskranken Frau nach Sterbehilfe im Ernstfall zu unterstützen. „Das wäre zwar völlig gegen meine Überzeugung“, sagt Schneider der ZEIT. „Aber am Ende würde ich sie wohl gegen meine Überzeugung aus Liebe begleiten.“

Das bedeute kein Umdenken innerhalb der Evangelischen Kirchen, äußerste sich dazu der Vorgänger an der Spitze der Evangelischen Kirchen Deutschlands, Bischof Wolfgang Huber, im NDR-Radio. Auch wenn die evangelische Kirche aktive Sterbehilfe grundsätzlich ablehne, gehe es doch darum, dass man „das tut, was einem das Gewissen sagt“. Er selbst bete, nie in eine vergleichbare Situation zu kommen.

In Österreich ist, anders als in Deutschland oder der Schweiz, nicht nur Tötung auf Verlangen, sondern auch Hilfe zur Selbsttötung verboten. Nunmehr gibt es auch Bestrebungen, zumindest das Verbot der Tötung auf Verlangen in der Verfassung zu verankern und damit der Diskussion zu entziehen.

Von Nikolaus Schneider können wir lernen:

Das Verbot der aktiven Sterbehilfe ist ein starkes gesellschaftliches Signal gegen einen allzu leichtfertigen Umgang mit dem Sterben. Aber es gibt Situationen, denen ein allgemeines Verbot und rechtliche Regelungen nicht gerecht werden. Weil der Schmerz zu groß ist für einfache Antworten. Hier ist unser Gewissen gefragt.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.